Zeitung Heute : Kranführer am Haken - "Die Stunde des Wolfs" im ersten Programm

Hans von Altona

Sex sells: das ist die Devise, nach der Regisseurin Hermine Huntgeburth ihren Beziehungsthriller gestrickt hat. Sex, Sex, Sex: mal in der Bauhütte, mal im Hotel, mal im Einfamilienhaus am Stadtrand von Berlin. Es geht zur Sache, der Busen bebt - wie der muskelbepackte Oberkörper von Richy Müller. Lea Mornar, die Femme fatale in diesem Baustellendrama, sieht auch nicht schlecht aus. Corinna Harfouch gibt die etwas ältere Frau, deren Reize eher im Verborgenen blühen. Aber auch sie zeigt Brust. Das Epos der dauernd Halbnackten, denen die Liebe, oder was sie dafür halten, den Kopf verdreht, verläuft nach dem simplen Schema, Mann rettet junger, schöner Frau das Leben, sie verliebt sich in ihren Helden, er verliebt sich in sie, jüngerer Bruder des Familienvaters stört die Idylle: Eifersucht, Drama, Totschlag. Das ist, man glaubt es kaum, schon alles. Als wäre er ein Alien, läuft manchmal ein Wolf durchs Bild. Symbol, denkt der Kritiker, ein Symbol. Aber wofür? Dass der Mensch des Menschen Wolf ist, wie schon die alten Römer wussten? Aber warum turnte dann in Rückblenden der junge Kranführer, als er noch kein Kranführer war, in einem Apfelbaum herum? Die russische Schönheit als Eva, die die Männer verdirbt?

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben