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kreuz.net : Spätes Geständnis eines Katholkranken

30.11.2012 00:00 Uhrvon

Schon mal was von Hendrick Jolie gehört? Der Mann ist Pfarrer, katholischer Pfarrer, er ist Sprecher des ultrakonservativen Netzwerks katholischer Priester. Das heißt, er war es, er ist jetzt zurückgetreten. Man darf annehmen, dass er zurückgetreten worden ist. Man kann ihn mit Fug und Recht, zumindest tut das der Mittfünfziger, als Katholkranken bezeichnen. So einer wie der Doktor Gero Winkelmann aus Unterhaching, ein Homöopath, der dem „Bund katholischer Ärzte“ vorsteht, einem Verband gläubiger Medizinmänner, also so etwas wie eine Schamanen-Vereinigung. Dieser Gero Winkelmann ist eher kein Halbgott in Weiß, mehr ein Taliban in Weiß.

Er verbreitet, dass Homosexualität eine Krankheit sei, die er mittels Globuli zu heilen vermag. Durchgeknallt eben, katholkrank. Zurück zu Hendrick Jolie. Ob der auch Freund der Globuli-Therapie ist, weiß der Mittfünfziger nicht, aber, dass der saubere Herr Pfarrer auch Texte auf kreuz.net publiziert hat, ist bekannt. Kreuz.net, diese antisemitische, rechtsradikale, homophobe Internetseite.

Das ist eine widerliche Seite, pseudochristlich ist sie bestenfalls zu nennen, voller Hass, voller Hetze, plump, dumpf, menschenverachtend, reaktionär, radikal-religiös-fundamentalistisch, eine Tea Party unterm Kreuz.

Man weiß nicht genau, wer alles verantwortlich ist für den Dreck im Namen des Katholizismus, aber Jolie war es. Monatelang hat er dementiert, dass er Texte für kreuz.net geschrieben hat, wie man jetzt weiß, hat er damit gegen die Zehn Gebote verstoßen, gegen „Du sollst nicht lügen“, aber das ist nicht so schlimm, weil Bigotterie zum erzkatholischen Repertoire gehört.

Wie, na ja, Nachsicht und Güte dazugehören. Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann lobte sein Schäflein Jolie jetzt, weil der sich in einem Brief für sein unkluges und unüberlegtes Handeln entschuldigte. Gerade zu toll muss das dem Kardinal vorgekommen sein, denn er dankte Jolie „für seine Bereitschaft zur kritischen Umkehr“. Die fand allerdings erst statt, nachdem von anderer Seite rausgekommen war, was für ein übler Bursche der Herr Pfarrer ist.

Sich zu outen, wenn alles bereits geoutet ist, ist wahrlich gottgefällig. Von den Inhalten seiner Texte, die sehr gerne von den rechtsradikalen Fundamentalisten veröffentlicht worden waren, distanzierte sich der Herr Pfarrer übrigens nicht. Warum auch? Sie standen ja gottesfürchtig unter dem Schutz des Katholizismus. Amen.Helmut Schümann

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