Zeitung Heute : Kritisch gesehen: "Hooligans in Bereitschaft", Arte

Michael Burucker

Fußballstadien wie das von Rotterdam werden Raubtierkäfigen immer ähnlicher. Durch geschlossene Metallröhren werden die Fans wie Tiere zu ihren Blöcken geleitet, wo Gitterstäbe verhindern, dass sie sich gegenseitig anfallen. So sind zwar die Schläger voreinander geschützt, nicht jedoch die Sicherheitskräfte, gegen die sich, wie die Reportage von Oliver Koytek und Andreas Schulz zeigte, die eigentlich dem gegnerischen Fan zugedachte Gewalt richtet.

Wer sich nicht vom Schauplatz ihrer vorher verabredeten Schlachten zurückziehe, erklärte ein deutscher Hooligan routiniert, sei selbst schuld, wenn er verletzt würde. Man werde, versicherte der Deutsche unverhohlen, während der EM wie damals, bei der WM in Frankreich, "seiner Sache nachgehen". Das von Grenzen befreite Europa kommt ihm da ebenso entgegen wie die sprichwörtliche holländische Toleranz. Dass schon eine Übung, bei der tausende von Statisten eine Massenschlägerei zu simulieren hatten, außer Kontrolle geriet, weil sich echte Hooligans unter die Darsteller gemischt hatten, schien deren Selbstbewusstsein Recht zu geben.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben