Zeitung Heute : Kritisiert, aber erfolgreich: Internetumfragen

ALEXANDER KÖNIGS

Kommunikations- und Meinungsforscher sind gespalten / Faszination und Skepsis gleicherma§en VON ALEXANDER KÖNIGS "Eine Methode für das neue Jahrtausend" oder "für seriöse Datenerhebung absolut untauglich" ­ gegensätzlicher könnten die Reaktionen der Wissenschaftler der empirischen Kommunikations- und Medienforschung zur Tauglichkeit des Internets als Datenerhebungsinstrument nicht sein.Eines jedoch ist sicher: Der Markt boomt, unzählige Unternehmen werben auf ihren Homepages mit dem Zauberwort der neuen I&K-Technologien (Informations- und Kommunikationstechnologien).Aber die anfängliche Euphorie ist unter den seriösen Wissenschaftlern verflogen und hat einer skeptischen Haltung gegenüber dem neuen Medium Platz gemacht.Heute weiß man, daß mit den unzweifelhaften Vorteilen wie Schnelligkeit, Preisgünstigkeit und unkomplizierter Weiterverarbeitung digital gewonnener Daten auch enorme Nachteile in Kauf genommen werden müssen. Der wohl gravierendste ist der fehlender Repräsentativität.Mit diesem "Gütesiegel" können herkömmliche Umfragen dann bezeichnet werden, wenn die Meinungen der ausgewählten und befragten Personen auf alle zu diesem Personenkreis dazugehörenden projiziert werden kann.Überträgt man dieses Kriterium auf das Internet, wird es problematisch.Markt- und Meinungsforschungsinstitute können natürlich nur solche Personen im und über das Internet befragen, die auch online sind.Aber: Wieviele Menschen sind in Deutschland online? Wie soll man sie zählen? Wie kann vermieden werden, daß diejenigen mit zwei oder mehr Zugängen nicht mehrfach gezählt werden? Zählen auch Personen, die nur einen E-Mail-Account haben? Solche und andere Fragen wurden sehr schnell aufgeworfen, als die ersten wissenschaftlichen Umfragen über die "Online-Gemeinde" ins Netz gestellt wurden."Repräsentativität ist nicht zu erreichen, da keine Informationen über die Grundgesamtheit bestehen.Allerdings gibt es ein Institut (Fittkau/Maas) in dessen Studien (www.w3b.de) öfters mal das Wort Repräsentativität auftaucht."Ich bin mir da nicht ganz sicher, ob das gerechtfertigt ist", meint Carl Theissen, am emnid-Institut Projektleiter Interaktive Technologien.Mit dieser Meinung steht er nicht allein.Dennoch werden auch bei emnid Online-Umfragen durchgeführt, "weil sie für klar umrissene Grundgesamtheiten durchaus sinnvoll sind", meint Theissen und verweist auf einen Auftrag, bei dem "der Auftraggeber einen Pool von E-Mail-Adressen seiner Kunden zur Verfügung stellt.Hier sind repräsentative Aussagen über die Grundgesamtheit möglich." Ein weiteres Problem ist die Methode, mit der Meinungen und Trends erhoben werden sollen.Analog zur mündlichen, schriftlichen und telefonischen Befragung bei herkömmlichen Umfragen gibt es auch bei der Datenerhebung per Internet unterschiedliche Ansätze.Der Versand von E-Mail-Fragebögen ist dabei wohl die umstrittenste, weil sich viele Empfänger von der unerwünschten Post belästigt fühlen.In ihrem kürzlich erschienen Buch "Netiquette" fordert Virginea Shea deswegen, auf solche Massensendungen zu verzichten, da sie gegen die Netz-Etikette, den ungeschrieben Nutzungskodex der Netzgemeinde, verstoßen.Und auch deutsche Wissenschaftler sehen E-Mail-Umfragen kritischer als Theissen, der darauf hinweist, daß "die Kunden unseres Auftraggebers ihre Daten freiwillig zur Verfügung gestellt haben, ohne explizit die Teilnahme an Markt- und Meinungsforschungsaktivitäten zu verweigern." Ob der Umkehrschluß deswegen zutrifft und solche Mails erwünscht sind, ist allerdings fraglich.Und auch die Datenerhebung mittels WWW-Fragebögen hat gleich mehrere Haken.Zum einen müssen die Befragten zum Ausfüllen der Bögen meistens online sein, was Zeit und deswegen Geld kostet.Zwar gibt es andere Alternativen, die sind aber recht aufwendig zu programmieren.Andererseits ist der Rücklauf ohne begleitende Werbemaßnahmen fast gleich null.emnid testet momentan unter anderem diese Problematik mit einem Fragebogen im Netz (

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