Zeitung Heute : Kundenorientiert und effektiv

REGINA KÖTHE

Im Schichtdienst zu arbeiten, bei geringer Bezahlung und minimalen Aufstiegschancen, das war lange Zeit die Perspektive von Krankenpflegern oder Krankenschwestern.Einen Ausblick auf bessere Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten bieten zunehmendFortbildungen und Studiengänge für Gesundheitsmanagement.Diese befähigen zur Leitung und Verwaltung von Organisationen im Gesundheitswesen.

Der Bedarf an leitenden Mitarbeitern im Pflegebereich von Krankenhäusern, ambulanten Diensten und Gesundheitsorganisationen ist vorhanden.Durch die Veränderungen der gesetzlichen Regelungen, die Privatisierung und die neuen Leistungsangebote benötigt man Fachkräfte, die einerseits Erfahrung in der Pflege und andererseits das Know-how eines Managers besitzen.Denn die Arbeit am Patienten soll "kundenorientiert" sein, und die Einrichtungen sollen wirtschaftlich wie ein Dienstleistungsunternehmen funktionieren.

Keine leichte Aufgabe für Kliniken und Stationen, in denen oft noch ein hierarchischer Führungsstil und ausgeprägtes Standesdenken herrscht.Doch es gibt vielerorts positive Ansätze.Für Sibylle Niemeyer, Managementtrainerin im Gesundheitsbereich, ist die Schulung der Leitungskräfte vorrangig.Einen kooperativen Führungsstil zu vermitteln, der Teamarbeit auch zwischen Ärzten, Pflegern und Therapeuten ermöglicht, ist ihr Anliegen.Bei ihrer Tätigkeit als Trainerin versucht sie den Sportsgeist für Dienstleistung zu wecken und Handlungsspielräume aufzeigen."Wenn sie einen unzufriedenen Patienten etwas zufriedener gemacht haben oder eine Krisensituation im Gespräch entschärfen konnten, dann ist das ein beruflicher Erfolg."

Doch nicht nur auf Patientenseite ist bessere Betreuung möglich, auch für die Verwaltungsaufgaben ist eine Optimierung nötig und wünschenswert.Berufliche Erfahrung und gezielte Weiterbildung von Mitarbeitern bilden die Basis, um solche Veränderungen zu projektieren.Ein Beispiel sind die Dienstpläne von Pflegekräften im Virchow-Klinikum der Humboldt-Universität.Barthol Pfeil arbeitete zwölf Jahre als examinierter Krankenpfleger in der Intensivmedizin, machte dann Weiterbildungslehrgänge für Pflegedienstleiter und ist heute Leiter der EDV-Dienstplanung bei der Krankenhauspflegedirektion der Charité.Allein im Standort Wedding müssen die Dienste von circa 2000 Mitarbeitern eingeteilt und die tarifliche Einstufung bestimmt und abgerechnet werden.Als eine neue Krankenhaussoftware auf den Markt kam, machte Barthol Pfeil seinen Vorgesetzten den Vorschlag, diese für die Dienstplanung einzuführen.Sein Vorschlag stieß auf offene Ohren und so begann das Projekt, mit dem er noch heute betreut ist.Planung, Anpassung und Koordination zwischen Softwarefirma und Anwendern gehören zu seiner Arbeit, die insgesamt Entlastung für die Pflegedienstleitungen bringt und eine Rationalisierung ermöglicht."Es ist wie ein eigenes Kind, das man wachsen sieht."

Barthol Pfeil wird das Projekt weiter betreuen, auch im Standort Mitte der Charité soll die Software jetzt eingeführt werden.Die Weiterbildung vermittelte ihm das Handwerkszeug, um als Führungskraft bewußt und gezielt zu entscheiden."In einer Leitungsfunktion sitzt man plötzlich zwischen den Stühlen, man muß zwischen den Berufsgruppen vermitteln und das Interesse des Unternehmens im Blick haben", sagt der EDV-Chef.

Motivation für eine Weiterbildung oder ein Studium ist nicht nur die Sicherung des Arbeitsplatzes, sondern auch der Wunsch, bei neuen Entwicklungen mitreden zu können, sagt Esther Freese, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Fernstudienganges für Angewandte Gesundheitswissenschaften an der Fachhochschule in Magdeburg.Pflegewirtschaft, Recht, BWL und Psychologie sind gefragte Themen, ebenso wie neue Technologien und ihr Einsatz im Gesundheitswesen.

Eine neue berufliche Perspektive eröffnete sich auch für den Physiotherapeuten John Elser, der Gesundheitsökonomie an der Fachhochschule für Wirtschaft studierte.Inzwischen arbeitet er nicht mehr mit Patienten, sondern ist Referent für Qualitätssicherung am Max-Bürger-Zentrum für Sozialmedizin, Geriatrie und Altenhilfe.Welche neuen Leistungen im Bereich der ambulanten Altenpflege können angeboten werden und wie sieht es mit den Möglichkeiten der Kostenübernahme aus? Mit solchen Fragen beschäftigt sich John Elser, den die betriebswirtschaftliche Seite eines Klinikunternehmens fasziniert.Durch das Studium konnte er ins mittlere Management wechseln.Die Kombination von Berufserfahrung und dem "Draufsatteln" von Qualifikationen hält er im Pflegebereich für optimal.



Fachhochschule für Wirtschaft, Studiengang Gesundheitsökonomie, t 857 89 -0 Alice-Salomon-Fachhochschule, Studiengang Pflegemanagement, t 99 245 -308 Fachhochschule Magdeburg, Fernstudiengang Angewandte Gesundheitswissenschaften, t 0391 / 67 16 342.

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