Zeitung Heute : Kunst in der Potsdamer Straße: Mit Segeltuch auf Kundenfang

Tobias Arbinger

Mit großen Segeln auf einem Mittelstreifen möchte ein Künstler aus Tiergarten Leben auf die teilweise öde Potsdamer Straße bringen. Dieter Fenz, Maler, Objektkünstler und Wirt des Cafés Phillis in der Pohlstraße, hofft, mit der Kunstaktion Touristen und Berliner in die wirtschaftlich gebeutelte Straße zu locken. Die bis zu zwölf Meter hohen Segel sollen den südlich vom Landwehr-Kanal gelegenen Teil der Potsdamer Straße und den belebten Potsdamer Platz optisch verbinden. Vom Süden aus gesehen würden das Segel und das "Zirkusdach" über dem Sony-Center eine Einheit bilden. Bislang besteht das Projekt jedoch nur aus Plänen. "Ich möchte die Straße mit Kunst beleben, mehr Laufkundschaft anlocken", sagte Lenz. Die etwa 20 Segel sollten winddurchlässig sein und nachts angestrahlt werden. 500 000 Mark bis eine Million Mark würde die Aktion kosten. Das Geld dafür soll Lenz zufolge vom Senat oder von Sponsoren kommen, die die Segelflächen bedrucken könnten. Seine Pläne hat Lenz dem Quartiersmanagement Magdeburger Platz vorgestellt, das die Lebensumstände in dem Kiez verbessern will, sowie dem Bezirksamt und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Als "interessante Sache" bezeichnete die Sprecherin der Senatsverwaltung, Petra Reetz, gestern den Vorschlag von Lenz. Sicherlich müsse etwas für den Straßenzug getan werden. Reetz bezweifelte aber, dass die Kunstaktion viel bringt. "Die Frage ist, ob es nicht andere Möglichkeiten gibt, das Geld effektiv einzusetzen", sagte sie. Zum Beispiel für "kleine Dinge", wie Bänke, Papierkörbe oder eine zusätzliche Ampel.

Die Potsdamer Straße leidet wie viele Einkaufsstraßen in der Stadt unter einem hohen Leerstand von Gewerberäumen. Allein 15 leere Läden hat Dieter Fenz zwischen Pohlstraße und Potsdamer Brücke gezählt. Zudem lebten in den Seitenstraßen zu wenige Menschen, die Geld in den Geschäften ausgeben könnten. Das Areal rund um den nahe gelegenen Magdeburger Platz gilt als sozial problematisch.

"Quartiersmanager" haben in den vergangenen Monaten Anstrengungen unternommen, den Gewerbetreibenden an der Straße zu helfen. Es sei ein "Arbeitskreis Gewerbe" gebildet worden, sagte Quartiersmanager Lutz Sepke. Die ersten Händler haben damit begonnen, Amphoren mit Blumen vor ihren Geschäften aufzustellen. Demnächst soll es auch mehr Fahrradständer geben.

Das "Segel"-Projekt von Dieter Fenz und die Arbeit des Quartiersmanagements könnten einander ergänzen, sagte Sepke. Es gebe die Idee, die Potsdamer Straße zu einem "Kunst- und Kulturstandort" zu entwickeln. Kunst soll in Geschäften ausgestellt werden, Galerien sollen sich in der Gegend ansiedeln. Ein leer stehender Laden wird seit geraumer Zeit als Ausstellungsort genutzt. Im März solle ein "runder Tisch" mit Künstlern und Gewerbetreibenden gegründet werden, sagte Sepke. Er könne sich vorstellen, dass dort auch die "Segelidee" diskutiert werde.

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