Zeitung Heute : KUNST

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Über das Rot, das Blau, das Gold in der Malerei ließen sich Bände füllen, nicht aber über das Grün, denn es fehlt ihm die symbolische Kraft. Trotzdem gehört es zu den am häufigsten eingesetzten Farben, denn wie in der Natur ist das Grün durch die Landschaft, die Bäume der dominierende Ton. Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts die abstrakte Kunst in den Ateliers Einzug hält und die Landschaftsmalerei aus der Mode gerät, ist damit auch die Vorherrschaft des Grün beendet. Kasimir Kandinsky hatte regelrecht eine Abneigung gegen die Farbe: Sie sei „wie eine dicke, sehr gesunde, unbeweglich liegende Kuh, die nur zum Wiederkäuen fähig mit blöden, stumpfen Augen die Welt betrachtet“. Wer allerdings seine Bilder genauer studiert, wird jede Menge Grün darin finden. Da war der erklärte Grünhasser Piet Mondrian konsequenter: Auf seinen konstruktivistischen Gemälden fehlt die Farbe komplett. In die zeitgenössische Kunst ist sie allerdings wieder zurückgekehrt. Die Amerikaner Bruce Nauman, Dan Flavin (Foto) und James Turrell erweisen dem Grün die Reverenz mit Lichtinstallationen – im Schein der Neonröhren.NK

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