Zeitung Heute : KURZINTERVIEW

Telearbeitsplätze wird es in Zukunft in gro&s

KURZINTERVIEW"Computeranschluß in die Küche" Telearbeitsplätze wird es in Zukunft in großer Zahl geben, das heißt: Zahlreiche Arbeitnehmer werden von zu Hause aus via Computernetz ihrer Beschäftigung nachgehen.Das wiederum hat Auswirkungen auf die Innenaufteilung im Haus - wohin mit dem Computerarbeitsplatz? Die Frage reicht weit in die Zukunft, muß aber schon jetzt beantwortet werden, da Häuser für mehr als eine Generation gebaut werden.Peter Becker befragte dazu Peter Zec, den Leiter des Design-Zentrums Nordrhein-Westfalen in Essen und Professor für Wirtschaftskommunikation an der Berliner Fachhochschule für Technik und Wirtschaft. TAGESSPIEGEL: "Computeranschluß in die Küche" ist eine Ihrer Ideen.Sollen die Telearbeiter der Zukunft im Kochdunst ihrer Arbeit nachgehen? ZEC: Unsinn, Sie sind über den aktuellen Stand der Technik nicht informiert.Moderne Entlüftungssysteme mit Katalysatoren ziehen alles Fett und damit allen Geruch aus der Küchenluft.Das sind weiterentwickelte Dunstabzugshauben, wenn Sie so wollen, und die sind schon auf dem Markt. TAGESSPIEGEL: Aha.Aber warum gehört der Telearbeitsplatz Ihrer Ansicht nach ausgerechnet in die Küche? ZEC: Schauen Sie in unserem Kulturkreis zurück - da war die Küche schon immer derjenige Ort, an dem eine Vielfalt an Arbeiten erledigt wurde, vom Kochen über die Kinderbetreuung bis hin zur allgemeinen Organisation des Alltags.Und zu diesen haushaltsbezogenen Tätigkeiten werden in Zukunft die berufsbezogenen hinzugesellt. TAGESSPIEGEL: Fällt das klassische Arbeitszimmer also weg? ZEC: Lassen Sie es doch wegfallen, und machen Sie mit dem Raum etwas Anderes, etwas Besseres.Aber verstehen Sie mich nicht falsch: Ich plädiere nicht dafür, daß der Computerarbeitsplatz ins Wohnzimmer verlegt wird.Denn dann würde das Wohnzimmergefühl, sozusagen: der Feierabend, verloren gehen.Wohn- und Schlafzimmer sind Räume zum Ausruhen und sollen es bleiben.Fürs Arbeiten ist die Küche da. TAGESSPIEGEL: Wird es da nicht eng an der Kochstelle, wenn neben Geschirrspülmaschine und Mikrowelle auch noch der Computer herumsteht? ZEC: Arbeitsgeräte in der Küche können weggeklappt werden, nehmen Sie als Beispiel die Brotmaschine.Wegklappen oder wegschieben könnte man auch den Computer.Lassen Sie doch Ihren Gedanken einmal etwas Spielraum, wie das Leben kommender Generationen aussehen wird: Ich sage voraus, daß man frühmorgens nicht nur mehr in den Briefkasten an der Haustür, sondern auch in die Mailbox in der Küche schaut! Stellen Sie sich vor: Sie stehen auf, werfen - sagen wir - den Eierkocher an und schauen gleichzeitig im Computer nach, was es Neues gibt in der Welt. TAGESSPIEGEL (lacht): Während der Eierkocher sprudelt... ZEC (begeistert): Aber nicht nur den haben Sie mit einem Schalterklick am Computer angeworfen - Ihr ganzer Haushalt ist mit Ihrem Aufstehen aktiv geworden.Und in der Küche findet sich dazu das graphische Interface, wahrscheinlich eine Art entwickeltes Touch Screen, das Ihnen genau zeigt, was jedes Gerät gerade macht, was es schon erledigt hat oder was es noch erledigen muß.Man wird per Computer verbunden sein mit Menschen, Maschinen, Unterhaltung und Informationsdiensten.Unser Alltagsleben wird sich verändern, so wie sich unser Arbeitsleben schon verändert hat.

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