Zeitung Heute : Kurzmeldungen

Peter Scheib

DIE WEINE DES MONATS

Wenn es um portugiesischen Wein geht, dann neigen auch gehobene Kenner zu dem Fehlschluss, der sei grundsätzlich süß, alkoholstark und höre auf den Namen Port. Dieses Getränk macht zwar nur rund sechs Prozent der Ernte des Landes aus, verstellt aber doch den Blick auf eine Reihe hoch interessanter „normaler“ Weine, die überwiegend aus den so genannten „autochthonen“ Rebsorten kommen, die es sonst nirgendwo gibt. Gewiss: Immer noch werden sie oft in altertümlichen Betrieben zu belanglosen Tafelweinen verarbeitet, die die Region zu Recht nie verlassen. Doch der Aufbruchs Portugals in allen Wirtschaftsbereichen hat natürlich auch den Wein erreicht: Viele qualitätsbewusste Erzeuger machen dort längst charaktervolle, typische Weine zu günstigen Preisen wie unseren 2001er Cortello aus der Region Estremadura, der aus den roten Rebsorten Tinta Roriz und Castelao Frances stammt. Er schmeckt gänzlich holzfrei und zeigt dennoch ein breites Spektrum von Frucht und Würze, hohen Extrakt und tiefrote Farbe, die er der klassischen Maischegärung verdankt. Er stammt aus der Kellerei Dao Sul , die von den drei Freunden Casimiro Gomes, Carlos Lucas und Joaquim Almeida vor erst zwölf Jahren gegründet und mit moderner Technik ausgerüstet wurde. Sie gingen das hohe Risiko ein, Rotweinreben in einer Gegend anzupflanzen, die eigentlich ausschließlich für Weiße prädestiniert zu sein schien, doch das Resultat gibt ihnen Recht. Der Preis ist Balsam für die noch von Weihnachten geschädigten Geldbörsen: 3,70 € kostet die Flasche in der Weingalerie Kubin&Lindenblatt in der Pestalozzistraße 55 in Charlottenburg.

Die Toskana ist nach wie vor eine Boomregion, was Tourismus und Wein angeht. Die Erntemenge ist die größte aller italienischen Regionen, und qualitativ kann allenfalls noch das Piemont mithalten. Die leidige Bastflasche, die einst den Ruf des Chianti ruinierte, existiert zwar immer noch, doch längst haben sich vor allem die „Supertuscans“ Ruhm erobert, jene Weine, die nach dem Vorbild des Sassicaia regionale und internationale Stilistik miteinander in Einklang brachten. Dennoch wurden Monokulturen vermieden - die Landschaft zeigt immer noch die gleiche harmonische Verbindung von Weinbergen, Kornfeldern und Olivenhainen wie vor Jahrhunderten. Dies zieht nach wie vor Investoren an, die nach Selbstverwirklichung in der Landwirtschaft trachten, beispielsweise den Schweizer Robert Guldener, der in Radda, dem hübschen Ort im Herzen des Chianti, von vornherein auf „Super-Toskaner“ setzte und auf seinem Gut Terrabianca von vornherin auf den Ausbau des Weins in neuen Eichenfässern setzte. Seine Cuvées stammen aus den tradionellen Rebsorten Sangiovese, Malvasia, Canaiolo und Trebbiano, die er souverän mit den Weltrebsorten Cabernet Sauvignon und Merlot verbindet - aus inzwischen immerhin 52 Hektar Rebfläche. Der tiefdunkelrote 1999er Campaccio ist dafür ein gutes Beispiel. Er stammt aus 70 Prozent Sangiovese und 30 Prozent Cabernet Sauvignon, hat ein Jahr lang in neuen Barriques gelegen und ist dort zu einer Persönlichkeit herangereift, prall von Gewürz- und Fruchtnoten, rund und harmonisch am Gaumen. Die Einflüsse beider Rebsorten sind deutlich erkennbar, und so handelt es sich um einen typischen Toskaner mit weltläufigem Touch, der seinen Preis wert ist: 19,95 € kostet die Flasche in Schramms Weinhandlung in der Kastanienallee 83 in Prenzlauer Berg und beim Weinhandel im Willy-Brandt-Haus, Stresemannstraße 28 in Kreuzberg.

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