Zeitung Heute : Kurzmeldungen

Peter Scheib

DIE WEINE DES MONATS

Es ist im Weinbau sehr schwer, ein einmal anhaftendes Image loszuwerden. Ungarn – das ist für die meisten immer noch die Heimat von Tokajer und heftigen Rotweinen names Kadarka oder Stierblut. Doch nach dem Fall der kommunistischen Planwirtschaft hat sich das Land mit der uralten Tradition längst in den internationalen Wind gedreht und produziert in seinen 22 Anbaugebieten zahlreiche gute Weine, deren Vielfalt schon jetzt an das klimatisch ähnliche Österreich erinnert. Eines dieser Gebiete ist Badacsony, dessen Weine in der Blütezeit der Monarchie sogar höher geschätzt wurden als die österreichischen. Der Name kommt von dem 460 Meter hohen vulkanischen Berg am Nordufer des Plattensees; typisch für diese Region ist der Grauburgunder (Szürkebarat), der dort zu Fülle und Kraft heranreift. Unser Beispiel kommt von dem kleinen Familienweingut Ylvasand, das Judith Cavalli-Björkman kurz nach der politischen Wende zusammen mit ihrem aus Schweden stammenden Mann gekauft hat. Auf vier Hektar Steillagen mit alten Basalt-Terrassen pflegen sie die traditionellen Rebsorten, die dann im ebenso traditionellen großen Holzfass ausgebaut werden. Der 2001er Grauburgunder trocken überrascht durch Extrakt und Komplexität und spiegelt den mineralischen Charakter des Vulkanbodens, ohne breit oder übermäßig voluminös zu wirken. Er duftet nach weißen Blüten und einem Hauch Kokos und zeigt erst im Abgang eine sanft feinherbe Komponente. Für 7,50 € bei Vinalia in der Pestalozzistraße 85 (am Karl-August-Platz) in Charlottenburg.

Der Rotwein im April stammt von der Rhone, einem Gebiet also, dessen Tradition in Sachen Weinbau ebenso in die Römerzeit zurückreicht wie in Ungarn. Unter der Herkunftsbezeichnung Cotes du Rhone werden belanglose Massenweine ebenso verkauft wir teure Raritäten - da hilft es beim Einkauf nur, den Namen des Guts zu kennen. Eines der wichtigen Weingüter im südlichen Teil der Appellation ist Chateau Beauchène, das am linken Rhoneufer in Piolenc liegt, nur etwa zehn Kilometer nördlich von Chateauneuf-du-Pape und damit bereits in der mediterranen Klimazone. Beauchene wurde 1971 gegründet, auf 70 Hektar Rebland stehen heute die wichtigsten regionalen Sorten Mourvedre, Grenache, Syrah und Cinsault, die überwiegend als Cuvée abgefüllt werden. Der 2001er Les Sens de Syrah aber ist, wie sein Name sagt, ein reinsortiger Syrah, der die ganze Fülle und Ausdrucksstärke dieser unverwechselbaren Rebe zeigt, Kräuter, Gewürze und Beerentöne vermischen sich mit den typischen Anklängen an Leder und Tabak - Holz dagegen spielt wegen der Lagerung im gebrauchten, großen Fass keine Rolle, es wird auch nicht vermisst. Der Wein ist trotz seines jugendlichen Alters trinkreif, wird aber auch ein paar Jahre im Keller mit guter Entwicklung belohnen. Perfekt ist er vor allem zum Osterlamm, vor allem, wenn es mit einer kräftigen Bratensauce auf den Tisch kommt. Die Flasche kostet 7,50 € in der Weinhandlung Hardy im Huth, Alte Potsdamer Straße 5 am Potsdamer Platz.

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