Labels Berlin : Raum für Mode

Stefan Sihler verändert das Spreeufer: Sein Unternehmen Labels Berlin schafft Showrooms für die Designer-Elite. Er selbst unterstützt Investoren.

Matthias Jekosch
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Die Entwicklung hier hat Auswirkungen auf ganz Berlin. Mediaspree ist ein Indikator, der besagt: Wo geht die Reise hin? Kann man hier noch investieren? Kann man sich auf Baugenehmigungen und Bebauungspläne verlassen? Wenn nicht, gehen die Investoren eben woanders hin.“
Stefan Sihler, Jurist und Geschäftsführer von Labels Berlin



Auch ohne die Messe Bread & Butter war Stefan Sihler vom Modestandort Berlin überzeugt. „Die Bedeutung wächst“, stand für ihn schon Anfang des Jahres fest. Bread & Butter und Tempelhof hat da noch niemand öffentlich miteinander in Verbindung gebracht. Dass Sihler auch ohne die große Messe schon so überzeugt auftreten konnte, liegt nicht zuletzt an ihm selbst. Er ist Geschäftsführer von „Labels Berlin“, einem Vorzeigeprojekt des Berlin der Hippen und Kreativen. „Labels“ stellt den Großen der Branche Showrooms zur Verfügung.

„Labels 1“ am Osthafen ist ein saniertes Lagerhaus mit drei Glasanbauten. Hugo Boss, Escada, Orwell und andere Namen der Szene stellen hier ihre neuen Kollektionen in acht Showrooms vor. Längst ist die Nachfrage so groß, dass der Platz nicht mehr ausreicht. Deswegen drehen sich neben dem Altbau die Kräne; die Arbeiten an „Labels 2“ gehen voran. Der Neubau soll im Sommer eröffnen, die Räume sind zu 80 Prozent vermietet.

Sihler kommt im langen schwarzen Mantel, schaut zufrieden auf die Baustelle. „Der Osthafen war eine der unwirtlichsten Gegenden Berlins“, sagt er. „Da haben sie sich gefürchtet, so grau war das.“ Das Sonnenlicht spiegelt sich in den Glasanbauten von „Labels 1“. Also, zum Fürchten ist der Anblick wirklich nicht mehr. Und auch der Neubau, entworfen von den HHF Architekten aus Basel, wird große Glasfronten haben.

Die Veränderung geht weiter – nicht nur im Osthafen. Links und rechts der Spree, zwischen Jannowitz- und Elsenbrücke, entstehen neue Gebäude wie zuletzt die O2-Arena. Bis zu 30 000 Arbeitsplätze sollen in dem sogenannten Mediaspree-Gebiet in den kommenden Jahren entstehen. Seit Dezember ist Sihler hier einer der wichtigsten Köpfe. Da wurde er Vorsitzender des neuen Vereins Mediaspree und somit erster Ansprechpartner unter den Investoren.

Sihler sagt, am Friedrichshain-Kreuzberger Ufer entscheide sich das Schicksal der Stadt. Im Sommer 2008 war ein Bürgerbegehren erfolgreich, in dem etwa 30 000 Bewohner des Bezirks gegen die Pläne der Investoren stimmten. Nun sind viele Projekte in Frage gestellt. Die Entwicklung hat Auswirkungen auf ganz Berlin. „Mediaspree ist ein Indikator, der besagt: Wo geht die Reise hin? Kann man hier noch investieren? Kann man sich auf Baugenehmigungen und Bebauungspläne verlassen?“ Wenn nicht, gehen die Investoren eben woanders hin, sagt er.

Sihler, 46, war erst Anwalt und dann Unternehmer. „Ich vertrete nur noch drei bis vier Mandanten“, sagt er. 1991 kam der Münchener nach Berlin. Für die Treuhand verhandelte er Grundstückskaufverträge. Dabei ist er mit vielen Projektentwicklern in Kontakt gekommen. „Da habe ich ein unglaubliches Interesse verspürt, selbst unternehmerisch tätig zu werden.“ 1992 gründete er die erste Projektentwicklungsgesellschaft mit Freunden, 1994 hat er sich als Anwalt selbstständig gemacht. Schwerpunkt: den ganzen Zyklus einer Projektentwicklung begleiten. Vor fünf Jahren kam der Auftrag für Hugo Boss und einen österreichischen Projektentwickler: Sie wollten Showrooms in Berlin bauen, gaben die Idee aber auf. Sihler hielt daran fest. Und fühlt sich im Nachhinein bestätigt.

Seine jüngste Karriere ist die Erfolgsstory eines Mannes, der bis dahin mit Mode nicht viel zu tun hatte. „Aber ich bin schnell in die Kreise reingekommen.“ Profitiert hat Sihler aber auch von der Entwicklung im Osthafen. „Die Ansiedlung von Universal hat der Senat hervorragend gemacht. Mit MTV kam dann der Durchbruch.“ Die Entwicklung hat Sihler vorhergesehen. „Das war die Logik der Stadtentwicklung, dass sie sich sternförmig auswirken würde.“ Nach Mitte und Prenzlauer Berg war demnach Friedrichshain-Kreuzberg an der Reihe. Das Lebensgefühl im Bezirk komme den Kreativen entgegen. „Hugo Boss und andere wollen dahin, wo das Leben pulsiert.“

Der vierfache Vater lebt dagegen sehr ruhig im Südwesten Berlins. Da ist nicht viel los, aber das lässt ihm Zeit für seine Kinder. Wenn er privat etwas mehr Action braucht, setzt er sich auf sein Motorrad, eine BMW Montauk. Ein anderes Hobby musste der Münchener im Berlin-Brandenburger Flachland dagegen schweren Herzens einschränken: das Skifahren. Mit der Heimat verbindet ihn dennoch viel, er hat nach wie vor eine Wohnung in München.

Die wird er in Zukunft wohl seltener sehen. Als Mediaspree-Vorsitzender wartet Arbeit auf ihn. „Bisher gab es eine Phase der totalen Konfrontation.“ Mediaspreegegner und -befürworter setzten auf Säbelrasseln. „Jetzt erst wird der Dialog aufgenommen.“ Sihler sieht Anknüpfungspunkte. „Wir versuchen Kompromissbereitschaft zu zeigen.“ Die zahlreichen Zwischennutzungen, wie etwa die Strandbars am Ufer, hält er für wichtig. „Berlin lebt ja von solchen Einrichtungen.“ Man kann sich den Mann mit dem jungenhaften Lächeln gut in einer der Bars vorstellen. Aber eines stellt er klar: „In erster Linie bin ich der Interessenvertreter der Investoren.“


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