Zeitung Heute : Längst keine reine Männersache mehr

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Er ist ein Auto, das Männer begeistert - der neue Alfa 147. Aber nicht nur sie. Denn rund 40 Prozent aller Alfa 147 werden von Frauenhänden gelenkt. Und Frauen haben auch einen ganz entscheidenden Anteil am Enstehen dieses modernen Kompakten mit der so typischen Front. Das nicht nur in der Produktion, wo jeder vierte Mitarbeiter eine Frau ist, sondern auch bei der Fahrzeugentwicklung. Zwar ist die Mehrheit auf der Managementebene immer noch männlich - aber mit 16,7 Prozent ist der Frauenanteil bei Alfa doch recht beachtlich. Und diese Frauen füllen viele sehr respektable Positionen aus. Drei Beispiele.

Sieht man Laura Maria de Chiara außerhalb des Werks, dann entspricht sie mit ihrer sportlich-eleganten Kleidung, ihrer zierlichen Figur, den schwarzen langen Haaren und ihren temperamentvollen Gesten einer Italienerin aus dem Bilderbuch. Umso verblüffter reagieren Gesprächspartner dann, wenn sie mit rauchiger Stimme ihren Beruf nennt. Denn die 35-jährige Mailänderin ist Testfahrerin, die ihren Arbeitsalltag hinter dem Lenkrad von Prototypen verbringt. Dabei steht sie ihren männlichen Kollegen in der Wüste Afrikas, im Eis Skandinaviens und auf der Nordschleife des Nürburgrings in nichts nach. Denn warum, so Laura Maria, sollen Frauen nicht ebenso gut Auto fahren können wie Männer - auch wenn es den italienischen Machos nicht immer leicht fällt, das einzusehen. Ihr Urteil gilt, wenn es fachlich kompetent ist - egal ob es von einem Mann oder von einer Frau kommt.

Allerdings sollte man den besonderen Blickwinkel gerade von Frauen zu bestimmten Problemen nicht unterschätzen. Denn viele Männer neigen gerade bei der Produktentwicklung dazu, die Technik und das technisch Machbare zu sehr in den Vordergrund zu stellen. Da kann es durchaus angebracht sein, dass Frauen auch einmal dagegen halten - nicht zuletzt, weil die Autos, die hier entwickelt werden, schließlich auch von Frauen gefahren werden, die zum Teil ganz andere Prioritäten setzen. Und so muss die Produktentwicklerin Daniela Parodi, eine 33-jährige Turinerin, die auf dem Weg über ein Bauingenieur-Studium zu Alfa gekommen ist, machmal sehr bewusst den Vorstellungen ihrer männlichen Kollegen Paroli bieten.

Die unterschiedlichen Betrachtungsweisen von Männern und Frauen, die zugleich Mütter sind, spielen auch bei der Arbeit der 30 Jahre alten Innenarchitektin Maura Cristofaroni eine wichtige Rolle. Im Centro Stile von Alfa Romeo arbeitet sie am Innendesign künftiger Modelle. Und da ist es nicht verwunderlich, wenn sie als junge Mutter zum Beispiel auf unempfindliche Polsterstoffe, auf möglichst praktische Ablagen oder auch eine einfache Bedienung für den Kindersitz achtet. Bei der Gestaltung des Cockpits der stets fahrerorientierten Alfas dagegen geht sie in einer beinahe schon männlichen Weise an ihre Arbeit heran, damit das Auto Kraft, Sportlichkeit und Ästhetik vermittelt.

Alle drei Frauen sind in ihren Arbeitbereichen voll anerkannte Mitglieder von Teams, in denen Männer und Frauen gleichberechtigt arbeiten und bei ihren Ideen, Vorschlägen und Empfehlungen der Inhalt zählt, egal ob sie von einem Mann oder einer Frau kommen. Allerdings, meint Maura Cristofaroni, haben Frauen einen kleinen Vorteil - werden ihre Ideen abgelehnt, geschieht das meist auf etwas charmantere Art.

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