Zeitung Heute : Längster BVG-Streik geht zu Ende

Im Schnitt 4,6 Prozent mehr Lohn / Buslinien werden erst von Montag an wieder fahrplanmäßig betrieben

Berlin – Der längste Streik in der Geschichte der Berliner Verkehrsbetriebe ( BVG) steht vor dem Ende. Aber obwohl sich die Verhandlungspartner am Freitag nach wochenlangen Auseinandersetzungen auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt haben, fahren die Busse, deren Fahrer seit Mittwoch streiken, erst wieder von Montag an nach Plan. Heute und am Sonntag gilt weiter der Notfahrplan der vergangenen beiden Tage.

Die etwa 12 000 Mitarbeiter der BVG und ihres Tochterunternehmens Berlin Transport erhalten durchschnittlich 4,6 Prozent mehr Geld, wobei die Erhöhung bei den rund 10 000 Altbeschäftigten geringer ausfällt als bei den Kollegen, die seit Herbst 2005 neu eingestellt worden sind und die wesentlich weniger verdienen. Hinzu kommt eine Einmalzahlung für alle Mitarbeiter in Höhe von 500 Euro sowie eine Gutschrift von 36,5 Stunden auf das sogenannte Kurzzeitkonto, was einer Woche Urlaub entspricht. Für den Kompromiss muss die BVG insgesamt 28,3 Millionen Euro aufbringen, verteilt auf die Laufzeit des Vertrages von zwei Jahren. Er gilt rückwirkend vom 1. Januar an.

Die Summe liegt damit über den zunächst vorgesehenen 24 Millionen Euro. Ob es dadurch zu Fahrpreiserhöhungen kommen wird, ließ BVG-Chef Andreas Sturmowski offen. Festgelegt werden die Tarife im Nahverkehr ohnehin vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), der bereits angekündigt hat, bei künftigen Tariferhöhungen nicht mehr die Inflationsrate überschreiten zu wollen. Die letzte Preisrunde hatte es erst zum 1. April gegeben. Weitere Erhöhungen in diesem Jahr schloss Sturmowski aber auf jeden Fall aus.

Weil auch die Mitarbeiter in den Werkstätten seit fast zwei Wochen gestreikt haben, kann der Busverkehr erst von Montag an wieder nach Plan rollen. Vorher müssen die fast 400 Busse, die wegen Defekten seither abgestellt werden mussten, repariert sein. Sie werden bereits bei kleinen Störungen aus dem Verkehr genommen. Die Buswerkstätten arbeiten nach Vorgaben von Verdi wieder am Sonntagmorgen, die Straßenbahner ab Sonntagabend und die U-Bahn-Werkstätten von Montag früh an. Bei der Tram und der U-Bahn gab es allerdings auch weniger Ausfälle, weil die BVG hier seit Streikbeginn weniger Fahrzeuge einsetzt und so eine Reserve gebildet hat.

Nachdem es auch bei der Post einen Tarifabschluss gegeben hat, wird jetzt in Berlin nur noch im öffentlichen Dienst weiter gestreikt. Für Montag hat Verdi die Mitarbeiter in den zwölf Ordnungsämtern zum Ausstand aufgerufen, der bis Donnerstagabend dauern soll. Auch in anderen Bereichen sind weitere Streiks geplant.

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