Zeitung Heute : Landleben unterm Funkturm

Am Freitag beginnt die 70. Grüne Woche: In den Messehallen zeigen 1600 Aussteller aus 55 Ländern Neues aus Ernährungsindustrie und Landwirtschaft

Tanja Kewes,Marc Neller

Vor ein paar Tagen hat die Bauernfamilie Lösing aus Vreden in Westfalen ihren Arbeitsplatz getauscht: 60 Hektar Familienbetrieb mit Ackerbau und Tierhaltung gegen 4000 Quadratmeter in einer Berliner Messehalle. Während der Internationalen Grünen Woche wollen die Lösings „für eine moderne Landwirtschaft werben“. So sagt es Johannes Lösing. Für den 46-jährigen Landwirt und seine Frau Maria heißt das: täglich Medientermine und Diskussionsrunden, Menschen über seine täglichen Aufgaben aufklären, seine Arbeitswelt erlebbar machen.

Hühner, Ferkel, Kälber und Kühe in den Messe-Hallen: Nicht zum ersten Mal ist der „Erlebnis-Bauernhof“ eine der Attraktionen der „Grünen Woche“, die ab Freitag bis zum 30. Januar auf dem Messegelände am Funkturm stattfindet. Aber die Lösings sind die erste echte Bauernfamilie, die dort den Messebesuchern zeigen soll, was landwirtschaftliche Produktion, artgemäße Tierhaltung, Pflanzenschutz und nachwachsende Rohstoffe im Alltag bedeuten.

Rund 1600 Aussteller aus 55 Ländern sind in diesem Jahr auf dem Messegelände vertreten – ungefähr genauso viel wie im Vorjahr. Die Ausstellungsfläche sei damit „voll ausgelastet“, sagt Grüne-Woche-Sprecher Wolfgang Rogall. Rogall erwartet rund 450000 Besucher. Das entspricht den durchschnittlichen Zahlen der vergangenen Jahre. Die Lösings sind in diesem Jahr nicht die einzigen Debütanten. Die Tschechische Republik, als junges EU-Mitglied, ist Gastland. Zudem findet im Rahmen der Grünen Woche erstmals die Messe „Wellness Plus“ (Halle 26b) statt. Die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft unterstützt, auch das wird man auf der Messe sehen können, verstärkt Entwicklungen wie Convenience Food – also schnell und bequem zu zubereitende Fertiggerichte. „Satt werden ist nur noch eine Nebensächlichkeit“, sagt Werner Hilse, Aufsichtsratsvorsitzender der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) gestern in Berlin. Immer mehr gehe es Verbrauchern darum, ihrem Körper etwas Gutes zu tun oder etwas Besonderes zu erleben. Aus diesem Grund widmet die Grüne Woche diesen Themen dieses Jahr erstmals eine eigene Halle. Zum Programm dort zählen zudem: Energydance, Kampfsport, Nordic Walking, Yoga.

Was gibt es sonst Neues? Das Ministerium von Landwirtschafts- und Verbrauerschutzministerin Renate Künast etwa betreut die Sonderschau „Die neue Landwirtschaft – innovativ und attraktiv“ in der Halle 23a. Darum geht es dort: Neuigkeiten bei der Erzeugung auf dem Acker, im Stall und im Gewächshaus – zum Beispiel Energiepflanzen als Alternative zu Erdöl. In mehreren Ausstellungsbereichen soll man alles Wesentliche über Bio-Energie aus Biomasse und High-Tech Rohstoffe vom Acker erfahren. Ein Ausstellungsteil zu Präzisionslandwirtschaft zeigt, wie hoch technisiert Traktoren inzwischen sind.

Der Biomarkt in Halle 6.2 ist nicht neu, hat sich aber bewährt. Und das Sonderprogramm „Talking Food – Jugend is(s)t aufgeklärt!“ widmet sich der gesunden Ernährung Jugendlicher. Ein sehr spezielles Interesse etwa bedient Jörg Wendland in Halle 1.2.: Auf der dortigen Fachschau für die Heimtier- und Pflanzenhaltung stellt er sein „Dogs and Cats Restaurant“ vor.

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