• Landowsky-Affäre: "Warum stehen wir im Verdacht?" Bauunternehmer Klaus Groth über die Gerüchte um seine CDU-Spenden sowie seine neuen Gesellschafter

Zeitung Heute : Landowsky-Affäre: "Warum stehen wir im Verdacht?" Bauunternehmer Klaus Groth über die Gerüchte um seine CDU-Spenden sowie seine neuen Gesellschafter

Herr Groth[haben Sie auch CDU-Faktionschef Landow]

Klaus Groth, Berliner Bauträger, zählt zu den wichtigen CDU-Spendern und baute die CDU-Zentrale am Tiergarten.

Herr Groth, haben Sie auch CDU-Faktionschef Landowsky persönlich eine Spende überreicht?

Nein. Zu keinem Zeitpunkt.

Wie wichtig ist für die Finanzierung von Bauvorhaben Ihrer Gruppe das Geldhaus Berlin Hyp, dessen Vorstandschef Klaus Landowsky ist?

Ich arbeite seit 23 Jahren in Berlin und mache Finanzierungen mit den unterschiedlichsten Banken. Eine davon ist die Berlin Hyp gewesen, zu der es dauerhafte Geschäftsbeziehungen gibt. Ein Zusammenhang mit Parteispenden besteht nicht.

Nun, im Fall Aubis soll in einem Brief ein Zusammenhang gestiftet sein zwischen einem Kredit der Berlin Hyp und Spenden an die CDU. Also noch einmal: Haben Sie bei der Anbahnung von Kreditgeschäften mit der Berlin Hyp Kontakte mit Herrn Landowsky genutzt?

Nein, nie. Im übrigen ist in unserem Hause für die Finanzierung der Geschäftsführerkollege Lothar Wulff zuständig. Verhandlungen bei Banken erfolgen mit zuständigen Vorstandsmitgliedern beziehungsweise Kreditdirektoren.

Sie zählen aber zu den Großspendern der CDU in den Jahren 1994 bis 1996. Damals wurde das Großprojekt Karow-Nord angestoßen. Dafür haben Sie mit vollen Händen aus dem Topf Öffentlicher Förderungen geschöpft...

Warum stehen wir eigentlich so im Verdacht? Das ist doch unredlich. Wir sind doch nicht die einzigen auf der Spenden-Liste. Wir haben 1991 und 1992 zwei städtebauliche Verträge geschlossen, den einen mit dem Land Berlin unter Federführung von Bausenator Nagel (SPD) und mit dem Land Brandenburg unter der Federführung von Bauminister Meier (SPD). Da kann doch niemand unterstellen, dass die beiden Landowsky-Freunde sind. In den städtebaulichen Verträgen waren auch die Förderungsbedingungen detailliert festgeschrieben.

Wie steht es mit dem Tiergarten-Dreieck? Da zahlt die Zentrale der CDU heute gute Mieten. Wie sind Sie an das Grundstück herangekommen?

Zunächst zur CDU. Diese zahlt keine Mieten sondern ihre Grundstücksgesellschaft ist selbst Eigentümerin. Wir haben 1984 das Tiergarten Dreieck von der Neuen Heimat Berlin gekauft, und zwar inclusive des Grundstücks der heutigen Nordische Botschaften. Auf Bitten Berlins übertrugen wir 1986 die Fläche auf das Land, weil der Senat dort eine Stiftung ansiedeln wollte. Damals haben wir uns aber ein Rückkaufrecht vorbehalten für den Fall einer anderen Bebauung. Diese notarielle Option haben wir 1995 ausgeübt und einen städtebaulichen Vertrag über die Entwicklung mit Berlin abgeschlossen. Das Grundstück wurde zu Verkehrswerten erworben, die der Gutachterausschuss des Landes Berlin unter Berücksichtigung der endgültigen GFZ und Nutzungen festlegte. Transparenter geht es nicht.

Sie haben nun einen neuen Partner im Boot, die ehemalige Bankgesellschaftstochter IBAG. Hat Ihnen die Bankgesellschaft im Zuge der neuen Beteiligung einen großzügigen Kreditrahmen eingeräumt?

Nein. Wir zahlen das Kapital ein und brauchen keinen Kredit. Der Anteil der Bankgesellschaft an den Krediten unserer Gruppe ist praktisch Null. Die Berlin Hyp hat langfristige Hypotheken gewährt. Sie hat das Tiergarten-Dreieck finanziert, und das läuft im Juni aus. Die Berlin Hyp hat auch Teile von Karow finanzert. Das Risiko ist dort durch die öffentliche Förderung begrenzt.

Und zum Niedergang der Grundkreditbank und ihre Verschmelzung auf die Volksbank trug die Groth-Gruppe da nicht als großer Schuldner bei?

Nein, unsere Kredite sind geordnet. Die haben wir bedient bis zum heutigen Tag. Wir sind nicht eine Mark schuldig geblieben.

Sie sollen im Zuge der Umstrukturierung Ihrer Gruppe einige stillen Reserven geborgen haben, um das Unternehmen abzusichern. War das nicht eine Notmaßnahme, um die Schräglage abzuwenden?

Das war keine Notmaßnahme, sondern eine unternehmerische Konsolidierung. Wir haben 183 Millionen Mark stille Reserven realisiert. Dies geschah durch private Einlagen durch Verkäufe sowie durch die Belastung von Grundvermögen. Damit waren die Projekte, die unsere Gruppe in den vergangenen Jahren in Berlin und Brandenburg realisiert haben, gesichert. Sogleich war damit die Voraussetzung für die Gründung der neuen Gruppe geschaffen. Damit einhergehend erfolgte die neue strategische Ausrichtung und die Erhaltung und der Ausbau unserer bisherigen 135 Arbeitsplätze.

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