Lange Nacht der Wissenschaft : Schlauer bauen mit Lego

Auf dem Campus der TU in Wedding kann man erdbebensichere Lego-Häuser konstruieren und Zeppeline um die Wette fliegen sehen.

Selina Byfield

BerlinSchritte hallen, eine Maschine schnauft. „Hier können sich unsere Forscher so richtig austoben“, sagt Annette Bögle, während sie durch die lichtdurchflutete Peter- Behrens-Halle eilt. Für den Rundgang durch das riesige Versuchslabor des Instituts für Bauingenieurwesen der Technischen Universität (TU) Berlin legt sie ein gutes Tempo vor, denn immerhin ist die ehemalige Montagehalle der Elektrofirma AEG 180 Meter lang und 25 Meter breit. Im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften am kommenden Sonnabend wird sie ab 17 Uhr als „Haus des Bauens“ für die Besucher geöffnet sein.

Bis Mitte der achtziger Jahre schraubten in dem glasgedeckten Gebäude an der Weddinger Hussitenstraße die Arbeiter Großmaschinen zusammen. Heute testen hier Studenten im Windkanal, welche Naturgewalten eine Klappbrücke aushalten kann. Eine Baufirma nutzt den Platz, um die Belastungsfähigkeit von Brückenseilen zu erproben. Gleich neben dem Großversuch ist eine aufblasbare Folie gespannt. „Dieses Material ist leichter und flexibler einsetzbar als Glas. Damit könnte man zum Beispiel Schwimmbäder überdachen: Bei Sonne wird das Dach geöffnet, im Winter und bei Regen kann es zugefahren werden“, sagt Bögle, die als wissenschaftliche Assistentin im Fachgebiet Entwerfen und Konstruieren – Massivbau arbeitet. „Vor allem kleine Gemeinden könnten so Geld sparen, weil sie dann nur noch ein Schwimmbad betreiben müssten.“

Gestaltung und Statik, Wirtschaftlichkeit und Energieeffizienz – in diesem Spannungsfeld bewegen sich die forschenden und angehenden Bauingenieure der TU. Deshalb beinhalte das Fach auch mehr als die Rechenkunst hinter dem Architektenentwurf: „An jedem Gebäude lässt sich ablesen, wie das Leben einer Gesellschaft gestaltet ist. Das sollten wir uns viel öfter bewusst machen“, so Bögle.

Zum Beispiel während der Langen Nacht der Wissenschaften. Die Maschine des Belastungsversuchs wird dann aus Sicherheitsgründen zwar ausgeschaltet sein. Dafür gibt es aber ein umfangreiches Programm für Laien ebenso wie Profis. Ein Thema ist etwa die Thermografie. Im Versuch erklären die Experten, wie sie mit Hilfe eines Wärmebildes prüfen, ob alte Häuser noch dicht und tragfähig sind. An einem anderen Stand berät eine Firma zu Fragen rund um den Einsatz von Beton, während die Kinder zusammen mit Künstlern das Material schon einmal ausprobieren können. Wer gern mit Legosteinen baut, kann seine Konstruktion auf dem Rütteltisch auch gleich auf ihre Erdbebenfestigkeit testen. Echte Baustellenatmosphäre gibt es draußen vor der Halle: Während die Baggerfahrten vor allem den Kleinen vorbehalten sind, können die Großen sich als Gabelstaplerfahrer versuchen.

Neben aktuellen Forschungsergebnissen stellen die Häuslebauer von der TU natürlich auch ihr Studienangebot vor. Um 19 Uhr sind Interessierte eingeladen, sich mit Studenten des Bauingenieurwesens über Inhalte, Aufbau und Jobperspektiven des Studiums zu unterhalten. Für Branchenprofis könnte der akademische Treffpunkt interessant sein: Ab 20 Uhr diskutieren Wissenschaftler mit Vertretern der Baubranche darüber, was Theorie und Praxis voneinander lernen können.

Wie im letzten Jahr sind auch die Luft- und Raumfahrtingenieure wieder zu Gast. Um 18.30 und um 20.30 Uhr lassen sie ihre Luftschiffe unter dem Dach der Halle um die Wette fliegen. Obwohl die Zeppelin-Fans von der Projektwerkstatt „Isoluftschiff“ das Basteln an ihren Gefährten als Hobby betrachten, habe die Technik durchaus ernsthaftes Zukunftspotenzial: „Luftschiffe könnten zum Beispiel als Stratosphärenplattform für Funk und Fernsehen eingesetzt werden. Das wäre weitaus günstiger als einen Satelliten ins All zu schießen“, erklärt Student Martin Wähmer.

Neben den Flügen in luftiger Höhe gibt es zur Langen Nacht aber auch unterirdische Touren. So können die Besucher in Berlins ältesten U-Bahn-Tunnel hinabsteigen. Ab 18.30 Uhr finden stündliche Führungen durch den knapp dreihundert Meter langen Stollen statt, der einst das AEG-Werk Brunnenstraße mit dem Gelände in der Ackerstraße verband. Eine elektrisch betriebene Bahn transportierte auf diesem Weg ab Ende des 19. Jahrhunderts Material und Arbeiter mit immerhin dreißig Stundenkilometern von einer Fabrik zur anderen.

Ein weiterer Tipp: Wer auf dem Gelände unterwegs ist, kann auch einen Abstecher ins „Haus der Kfz-Technik“ im Gebäude 13 machen: Dort starten die Auto-Ingenieure zum Beispiel um 20 Uhr einen echten Crashtest. Anschließend zeigt die Berliner Feuerwehr, wie sie im Ernstfall reagieren würde und birgt den Dummy aus dem Wrack.

Das „Haus des Bauens“ befindet sich in der Peter-Behrens-Halle (Gustav-Meyer- Allee 25, Berlin-Wedding). Das komplette Programm gibt es im Internet unter http://lndw.tu-berlin.de/course

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