Zeitung Heute : Langeweile kann vermieden werden Stefan Fricke setzt auf gründliche Vorbereitung

Sybille Nitsche
Foto: TU Presse/Dahl
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Die Arbeit hat sich gelohnt. Stefan Fricke ist jetzt mit dem Sonderpreis für vorbildliche Lehre der Gesellschaft von Freunden der TU Berlin ausgezeichnet worden. Der promovierte Informatiker am Fachgebiet „Agententechnologien in betrieblichen Anwendungen und der Telekommunikation“ bekam die Auszeichnung für die Lehrveranstaltung „Künstliche Intelligenz – Grundlagen und Anwendungen“, die er im Wintersemester 2009/2010 hielt. Die Studierenden der Fakultät Elektrotechnik und Informatik hatten seine wöchentlich stattfindenden zweistündigen Vorlesungen und zweistündigen Übungen mit „hervorragend“ bewertet. Ob Verständlichkeit, Vorlesungsstil, Medieneinsatz, gestellte Übungsaufgaben oder Motivation – Fricke bekam hohe Punktzahlen.

Seit 1998 wird an der Fakultät die Lehre von den Studierenden evaluiert. Vor fünf Jahren übernahm Fricke Teile der Lehrveranstaltung „Künstliche Intelligenz“, und seit dem Jahr 2007 ist er für die Koordination der Lehre im Fachgebiet verantwortlich. „Um die Vorlesungen und Übungen zu verbessern, habe ich mir jedes Jahr die Fragebogen der Studierenden, die an der Bewertung der Lehrveranstaltungen in der Fakultät teilgenommen hatten, angeschaut. Ich musste wissen, was von ihnen kritisiert wird, was sie vermissen.“

Danach hat der 46-Jährige, der selbst an der TU Berlin Informatik studierte, seine Vorlesungen und Übungen neu konzipiert. Das Lehrmaterial zum Beispiel, das er vorfand, sei unbefriedigend gewesen, sagt Fricke. Also überarbeitete er es, entwarf kommentierte Vorlesungsfolien und stellte sie ins Netz, „entrümpelte“ den vollgestopften Lehrplan und setzte die Möglichkeiten des E-Learning konsequent ein, um die Studierenden intensiv betreuen zu können. Er installierte im Internet Foren, in denen seine Zuhörer ihre Fragen stellen können, die er beantwortet. „Dadurch fühlen sie sich aufgehoben und wissen, dass sie mit ihren fachlichen Problemen nicht allein gelassen werden.“

Fricke hat sich aber auch mit Hochschuldidaktik beschäftigt, Weiterbildungskurse besucht und nach Formen gesucht, die die herkömmliche eindimensionale Methode der Stoffvermittlung – der Dozent trägt vor, die Studenten hören zu – aufbrechen. Er achtet bei seinen Lehrveranstaltungen darauf, dass sie einer Dramaturgie folgen, dass es Höhepunkte gibt, Pausen, verschiedene Medien zum Einsatz kommen, die Studenten aktiv einbezogen werden. „Langeweile in den Vorlesungen kann vermieden werden“, sagt Fricke. Für den Hochschullehrer aber bedeutet das, viel Wissen und Zeit zu investieren. In jeder Vorlesung und in jeder Übung von Fricke steckt jeweils eine Woche Vorbereitung. Sybille Nitsche

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