Zeitung Heute : Lawinengefahr berechtigt zur Stornierung, quängelnde Kinder nicht

Lawinengefahr. Wird für einen Skiort Lawinengefahr Stufe "5" angekündigt, so darf eine dorthin geplante (hier: einwöchige) Reise in eine Ferienwohnung ohne Stornokosten "aus wichtigem Grund" gekündigt werden (hier: ins Kleinwalsertal). Dies gilt auch dann, wenn sich die Gefahr schließlich "nicht realisiert hat". (Amtsgericht Herne-Wanne, Aktenzeichen 2 C175/99) W. B.

Storno. Hat eine Fluggesellschaft beim Verkauf eines verbilligten Flugtickets (hier: die BA) den Kunden ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass der Flugpreis auch dann zu bezahlen ist, wenn die Reise nicht angetreten wird, so gilt dieses "100 Prozent-Storno" als verbindlich vereinbart. (Amtsgericht Stuttgart, Aktenzeichen 16 C5670 / 97) W. B.

Animation. Fehlt am Urlaubsort das zugesagte Animationsangebot für Kinder (hier: 4, 9, 13 und 15 Jahre alt), so haben die Eltern (hier: zwei Ehepaare) nicht das Recht, die Ferien abzubrechen und den restlichen Reisepreis zurückzuverlangen, weil dafür eine "erhebliche" Beeinträchtigung der Reise vorliegen müsste, die aber erst bei einer 50-prozentigen Minderung der Reiseleistung angenommen werden kann (hier wurden 20 Prozent Reisepreisminderung zuerkannt). (Oberlandesgericht Nürnberg, Aktenzeichen 13 U 66/99). W. B.

Skiunfall. In der Wintersaison tummeln sich Millionen von Tagesausflüglern auf den deutschen Skipisten. Wie der HDI Haftpflichtverband der Deutschen Industrie in Hannover mitteilte, schätzt er die Zahl der Unfälle mit Personenschäden im Wintersport auf etwa 1400 pro Jahr. Dabei entstehen erhebliche Schadenssummen. Besonders in schweren Fällen stellt sich die Frage, wer für den angerichteten Schaden aufkommt. Grundsätzlich ist jeder, der einen Schaden verursacht zur Wiedergutmachung verpflichtet. Er haftet mit seinem gesamten Vermögen bis hin zur Pfändungsgrenze. Ein junger Mann, der sich bei einem Zusammenstoß auf der Skipiste das Hüftgelenk gebrochen hatte, erhielt von einem Gericht 50 000 Mark Schmerzensgeld zugesprochen. Hinzu kamen noch die von der Krankenversicherung geforderten Behandlungskosten.

Ohne seine Haftpflichtversicherung hätte der Verursacher des Unfalls diesen Betrag schließlich aus eigener Tasche bezahlen müssen. ADN

Zähe Brötchen. Für ein Urlaubsfrühstück haben deutsche Gerichte eine Reihe von Mindeststandards festgelegt. Werden sie nicht eingehalten, darf der Gast den Reisepreis mindern, berichtet der Tourismusverband des Landes Brandenburg unter Berufung auf richterliche Entscheidungen. So rechtfertigten zähe Brötchen nach einem Urteil des Amtsgerichts Frankfurt am Main eine Herabsetzung des Reisepreises um fünf Prozent (das Aktenzeichen dazu lautet: C 14507 / 83). ADN

Wellige Wurst. Wenn dem Reisenden alte, wellige Wurst oder Käse zum Frühstück angeboten werden, kann er einen Reisemangel geltend machen. Ebensowenig muss er Eier- und Butterreste, Tee- und Kaffeeränder am Geschirr hinnehmen. Diese Mängel können nach Urteilen der Amtsgerichte Mönchengladbach (Aktenzeichen 5a C706/88) und Cloppenburg (Aktenzeichen 2 C702/87) zu einer Preisminderung von fünf bis 15 Prozent führen. Bei einem Frühstücksbuffet sollten dem Gast mindestens zwei Brötchen derselben Sorte, eine Sorte Marmelade, Butter und Kaffee angeboten werden, befand das Amtsgericht Frankfurt. Bei einem reichhaltigen Frühstücksbuffet können drei verschiedene Sorten Brötchen, zwei Sorten Marmelade, zwei Kaffeesorten, Butter, Joghurt, Orangen und Orangensaft als Mindestangebot erwartet werden (das Aktenzeichen: 30 C4 289 / 85-45). ADN

Hunger. Der hungrige Urlauber muss allerdings eine gewisse Wartezeit tolerieren. Kein Reisemangel, sondern lediglich eine Unannehmlichkeit liegt nach Auffassung der Frankfurter Amtsrichter vor, wenn der Gast 20 Minuten auf sein Essen warten muss. Er könne dann nicht auf Rechnung des Reiseveranstalters woanders Essen gehen (Aktenzeichen 30 C 842 / 85-45). ADN

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