Zeitung Heute : Leben im All

Frank Schubert

Die Nasa hat Hinweise, dass auf dem Mars Wasser fließt. Was sagt dies über mögliches Leben auf dem Planeten aus?


Auf der Oberfläche des Mars’ scheint es flüssiges Wasser zu geben – zumindest gelegentlich. Das belegen Fotos der amerikanischen Weltraumsonde „Mars Global Surveyor“. Die Aufnahmen zeigen Bodenrinnen, die erst vor kurzem entstanden sind. „Es handelt sich um die bislang stärksten Beweise dafür, dass dort zeitweise immer noch Wasser fließt“, sagt Michael Meyer, verantwortlicher Wissenschaftler für das Marsforschungsprogramm der US-Weltraumbehörde Nasa.

Der Befund überrascht die Forscher. Zwar wissen sie schon lange, dass es Wasser auf dem Mars gibt. Doch fand man dieses bislang nur gefroren oder gasförmig – in Permafrostböden, als Gletscher oder in Form von Wolken. Flüssiges Wasser kann auf der Oberfläche des Planeten nicht lange existieren: Dort herrschen so niedrige Temperaturen und ein derart geringer Atmosphärendruck, dass es sofort gefriert oder verdampft.

Auf den jetzt veröffentlichten Fotos sind aber Rinnen zu sehen, in denen kürzlich etwas geflossen sein muss. Ein jeweils mehrere hundert Meter langer, heller Bodensatz verästelt sich hangabwärts und umflutet kleine Hindernisse, als wäre ein Material bergab gespült worden. Die helle Färbung des Bodensatzes, so die Forscher, könne von Frost herrühren oder von Salz, das von fließendem Wasser abgeschieden worden sei. Entscheidend ist, dass die Rinnen innerhalb der vergangenen sieben Jahre entstanden. Das unterscheidet sie von zahlreichen ähnlichen Strukturen, die man auf dem Mars bereits kennt, die aber sehr viel älter sind.

Die Entdeckung heizt die Debatte an, ob unser Nachbarplanet Leben beherbergt. „Wenn flüssiges Wasser existiert, muss es auch eine Wärmequelle geben, die das Wasser aufschmilzt“, sagt Markus Landgraf, Missionsanalytiker bei der europäischen Weltraumorganisation Esa. Wasser und Wärme seien gute Voraussetzungen für mikrobielles Leben. „Auf der Oberfläche des Mars können Mikroorganismen nicht existieren“, erläutert Landgraf, „dort ist die UV-Strahlung zu intensiv.“ Wenn es Leben gäbe, dann im Untergrund, etwa in unterirdischen Gewässern. So wie etwa im Lake Vostok, einem riesigen See 4000 Meter unter der Antarktis. Dort existieren Bakterien in Eiseskälte und bei völliger Dunkelheit.

Ähnlich sieht das Pascale Ehrenfreund, Astrobiologin an der Universität Leiden. „Je jünger die flüssigen Wasservorkommen, desto größer sind die Aussichten auf Leben dort“, sagt sie. Sicher sei aber, dass marsianische Organismen extreme Überlebenskünstler sein müssten. „Sie müssen mit außerordentlicher Kälte, starker Strahlung, ohne Sauerstoff und ohne Sonnenlicht zurechtkommen.“

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