Zeitung Heute : Leicht ist schwer

FREDERIK HANSSEN

Das 11.Forum Hauptstadtkultur zum Thema UnterhaltungskunstEiner für Berliner Verhältnisse überraschende Einmütigkeit herrschte bei der 11.Runde des Forums Hauptstadtkultur in der Akademie der Künste auf dem Podium.Die Vertreter der sogenannten "leichten Muse" waren zusammengekommen, um mit Peter Radunski über die Zukunft des Genres zu diskutieren.Dabei bekannte sich der Kultursenator ausdrücklich zum Erhalt von Theater des Westens, Friedrichstadtpalast und Metropoltheater.Während viele Politiker glaubten, Unterhaltung bedürfte keiner staatlichen Förderung, sei er fest davon überzeugt, daß Berlin seine drei staatlich subventionierten U-Musik-Häuser mit ihren derzeitigen Profilen erhalten müsse - wenn die Stadt nicht in die Austauschbarkeit eines durchschnittlichen Musical-Abspielplatzes absinken wolle.Die anwesenden Intendanten fühlten sich durch diese klaren Worte ermutigt, ließen sich allerdings nicht davon abbringen, daß mit der geplanten Reduzierung ihrer Subventionen von derzeit 73 Millionen auf 50 Millionen im Jahr 1999 keine Kunst mehr zu machen sei. Ungeteilte Zustimmung erhielt Radunski dagegen für seine Forderung nach einer konsequenteren Vermarktung der Berliner Kultur.Scharf ging er dabei mit der Berliner Tourismuspolitik der letzten Jahre ins Gericht, die das Besucherpotential des Entertainmentbooms verschlafen habe, während Hamburg und Wien mit Webber-Musicals absahnten.Mit einheimischem Publikum sei die Auslastungsquote kaum über 40 Prozent zu bringen, so Radunski.Das bestätigte der Chefdramaturg der vereinigten Bühnen Wien, Peter Back-Vega: Dank der gemeinsamen Imagewerbung mit der österreichischen Hauptstadt wollen inzwischen 46 Prozent der Besucher in Wien Musicals sehen. Beifall fand auch die Forderung des Schiller-Theater-Mieters Peter Schwenkow, die Kultur müsse endlich ihre Dienstleistungs-Funktion anerkennen.Nicht unbedingt nur als Sahnehäubchen der Touristen-Packages, eher als Auslöser der Wahl von Berlin als Reiseziel.Wenn es gelänge, mehr Besucher anzuwerben und die Kunden zufriedenzustellen, werde das "Kultur- und Entertainmeht-Segement" im Jahr 2005 Berlins größter Arbeitgeber sein, prophezeihte Schwenkow.Jenseits aller innerstädtischen Konkurrenz gelte es jetzt, gemeinsam eine positive Vison zu entwicklen, forderte auch der Intendant des Theaters des Westens, Helmut Baumann: Mit der Geringeschätzung der Unterhaltung und der berlintypischen Nörgelei müsse endlich Schluß sein.Auch in den Feuilletons.FREDERIK HANSSEN

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