Zeitung Heute : Leinwandhelden in Lebensgröße

THOMAS DE PADOVA

Schneider vor dem Marktauftritt des ersten Laser-TV / Derzeit vor allem für Groß-Events interessantVON THOMAS DE PADOVA

Der Laserstrahl läuft mit einer Geschwindigkeit von 90 Kilometern pro Sekunde über die Leinwand.Der Kinoheld - in Lebensgröße - schlappt gemächlich hinterher.Zwar lächelt er dabei noch nicht so brillant wie manch einer seiner Kollegen, die den Besucher der Internationalen Funkausstellung fortwährend aus sämtlichen Richtungen in kleinerem Bildformat anstrahlen.Doch die farbenprächtige Laser-Projektion flimmert kaum noch, die Rauschstreifen sind verschwunden. Vor einem Jahr sah das noch schlechter aus.Inzwischen hat die Allgäuer Firma Schneider zahlreiche neue Komponenten in die Apparatur integriert.Und so präsentieren ihre Mitarbeiter die Laser-TV-Entwicklung bei der IFA als "marktreif, aber noch nicht heimtauglich".Die Crux ist nach wie vor der Preis.Für die bis zu 100 000 Mark teuren Geräte und die großen Leinwände interessieren sich derzeit allenfalls Veranstalter sportlicher oder kultureller Events. Die Technik bestimmt den Preis, sprich: der Laser und das Ablenksystem."Die Lasertechnik ist in den vergangenen Jahren für Forschungsexperimente und militärische Zwecke entwickelt worden", sagt Volker Gröbel, Patentingenieur bei der Firma Laser Display-Technology, ein Zusammenschluß von Schneider und Daimler-Benz.Ein Lasersystem für das Fernsehen habe indessen neu geschaffen werden müssen.Erst Kooperationen mit zahlreichen Universitäten und Forschungseinrichtungen hätten zu dem heutigen Gerät geführt, das unter anderem eine Laserquelle der Universität Kaiserslautern beinhaltet. Eine solche Laserquelle bedurfte noch vor zwei Jahren einer aufwendigen Wasserkühlung.Für den Betrieb des heute benutzten Festkörperlasers reicht eine einfache Luftkühlung aus.Der Stromverbrauch ist deutlich gesunken, liegt aber immer noch um ein Vielfaches höher als bei einem herkömmlichen TV-Gerät.Schneider wartet weiterhin auf kostengünstige, leistungsfähige Diodenlaser, die das ganze Farbspektrum abdecken. Die Laserstrahlen in Rot, Grün und Blau muß der Projektor blitzschnell über den Bildschirm oder eine Leinwand führen."Der wesentliche Unterschied zum Film- oder Dia-Projektor ist, daß es hier kein Dia und keinen Film gibt, der durchstrahlt wird", sagt Volker Guyenot, Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik in Jena."Das Bild ensteht erst auf der Leinwand.Und das Wichtigste ist daher, daß die Strahlen vernünftig abgelenkt werden." Analog zur Ablenkung des Elektronenstrahls im herkömmlichen Fernsehgerät wird auch der Laserstrahl zeilenweise von rechts nach links sowie von oben nach unten abgelenkt - allerdings mit Spiegeln.Die Forscher am Fraunhofer-Institut in Jena entwickeln ein dazu erforderliches Präzisionsbauteil, ein rotierendes Spiegelpolygon mit 32 Spiegelflächen und einer Drehzahl von 60 000 Umdrehungen pro Minute.Das aerodynamische Lager ist vollständig aus Glaskeramik gefertigt, um auch bei hohen Temperaturen noch exakt zu arbeiten. Die entscheidende Vorgabe sei auch hier, den Preis zu senken, sagt Guyenot."Wir wollen mit dem Ablenksystem unter 10 000 Mark kommen." Das könne bereits im kommenden Jahr erreicht werden, wenn das Versuchsstadium abgeschlossen sei.Für Schneiders Laser-Visionen ein wichtiger Schritt.Denn das Laser-TV-Gerät, so Joachim Kleine, Projektleiter Laser bei Schneider, soll schon bald nur noch zwischen 10 000 und 15 000 Mark kosten."Das ist unser Ziel."

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