Zeitung Heute : LENA HOSCHEK: Wilde Sekretärinnen

Auf dem Teppich. Lena Hoschek hatte beim Entwerfen Sekretärinnen im Sinn. Foto: promo
Auf dem Teppich. Lena Hoschek hatte beim Entwerfen Sekretärinnen im Sinn. Foto: promo

Bei Lena Hoschek liegen Perserteppiche auf dem sonst blanken Laufsteg am Bebelplatz. Als die ersten Models zu derbem Rock ’n’ Roll über die Bühne schreiten, wirkt das Zelt wie eine Mischung aus Wild-West-Saloon und Großmutters Wohnstube. Kein Wunder, denn als Inspiration dienen der Österreicherin glamouröse Filmstars der sechziger Jahre, wie Marylin Monroe und ihre Vorliebe für böse Rockerbuben.

Gerüschte Blusen kombiniert sie zum hohen Taillenrock oder ganz leger Holzfällerhemdchen zu bleichen Bluejeans und Stiefeln. In knielangen Röcken mit strenger Brille erinnern die schmalen Mädchen an Sekretärinnen der sechziger Jahre. Lena Hoschek hätte ruhig noch einen Schritt weiter gehen dürfen und Models mit ein paar Kurven und Tattoos auswählen können. Farblich dominieren Jeansblau, staubiges Rot und Braun. Ein schöner Mix ist die karierte Bluse zur senfgelben Hose. Braune Ledergürtel betonen die schmale Taille unter einem weiten Hemd. Die toupierten Frisuren erinnern ein bisschen an Amy Winehouse und verleihen der Show einen ordentlichen Twist Rock ’n’ Roll.

Neben dem wilden Sekretärinnen-Mix enthält die Kollektion auch tief ausgeschnittene klassische Kleider in Bordeauxrot oder im karierten Cowboy-Stil. Fast schon klassisch wird es beim grauen Rock zur züchtigen weißen Bluse, doch wo ein Outfit zu streng wirken könnte, ergänzt es die Designerin mit einer Strumpfhose mit Leopardenmuster oder Kniestrümpfen. Die Show wird von einer zart frechen Rockerbraut im Spitzenkleid beendet, die ihren züchtig vor dem Körper getragenen knallroten Brautstrauß mit frechem Grinsen den Fotografen entgegen- schleudert. Die Kollektion macht Spaß und nimmt sich nicht zu ernst.

Als Hoschek zum Abschluss der Show den in einer Reihe schreitenden Models kleine Mädchen in der passenden Mini-Ausführung zur Seite stellt, wirken sie ein wenig wie eine Fußballmannschaft beim Einzug ins Stadion. Doch die Zuschauer kennen kein Halten mehr. „Oh wie Süß!“-Rufe übertönen den tosenden Applaus.Jakob Wais

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