Zeitung Heute : Lernen am Bildschirm

In den hinteren Schulbänken spielt Klaus Solitär, am Fenster löst Karin ihre Rechenaufgabe, von seinem Bildschirm am Pult hat ihr Lehrer alles im Blick - so könnte das virtuelle Klassenzimmer der Zukunft aussehen.Möglich macht das ein spezielles Bildschirm-Verbundsystem für Schulen und Netzbetreuer namens "Master Eye"."Wir wollen die Didaktik in die Netze bringen", umschreibt Vertriebsleiter Enrico Korb das Konzept des Programms.Korb präsentiert sein Produkt bis einschließlich heute auf der 4."Online Educa Berlin", einer internationalen Konferenz für telematisch gestütze Aus- und Weiterbildung im Hotel InterContinental.Im Rahmen der dreitägigen Veranstaltung informieren 150 Experten in Vorträgen, Fallstudien und Workshops rund 800 Teilnehmer über neueste Entwicklungen.

"Telelearning wird und soll den Lehrer" nie ganz ersetzen", betont Konferenz-Managerin Sally Reinolds.Es bleibe eine Ergänzung zum herkömmlichen Unterricht.Ob das Telelearning in Form einer Video-Konferenz oder des Internet ablaufe, hänge vom jeweiligen Bedürfnis ab.Große Probleme bereite derzeit noch die fehlende Standardisierung der Telelearning-Systeme und der eingeschränkte Zugang zu Computern.Auch die Schulung der Lehrer müsse forciert werden.Die Fortbildung der Lehrer ist einer der Eckpfeiler des "European Schoolnet"-Programms (EUN) das 18 europäische Länder Anfang September offiziell gestartet haben.Ziel ist es, "die Benutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien an europäischen Schulen voranzutreiben", sagt EUN-Internet-Manager Steve Samson.Das Programm will unter anderem Standards für Technik und Unterricht entwickeln.Computer müssen die Schulen allerdings selbst besorgen.In Deutschland hilft ihnen dabei die Initiative "Schulen ans Netz e.V.", die gerade bis zum Jahre 2002 verlängert worden ist.

Die "virtuelle Universität" ist für die Fernuni Hagen schon längst kein Fremdwort mehr.Über 4000 der rund 56 000 Studenten lernen nach Angaben von Uni-Vertreterin Birgit Feldmann-Pempe in 40 Seminaren am Bildschirm."Ein komplett virtuelles Studium ist aber noch nicht möglich", sagt Feldmann-Pampe.Durch das Telelearning könnten sich die Studenten nicht nur ihre Zeit besser einteilen, Student und Betreuer könnten zudem jederzeit per E-Mail kommunizieren.Auch die Deutsche Telekom bietet bereits drei Ausbildungsgänge sowie interne Mitarbeiterschulungen per "global teach" am Bildschirm an.In nicht allzu langer Zeit dürfte das Standard sei.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben