Zeitung Heute : Lernen auf hohem Niveau

Auf dem Weiterbildungsmarkt tummeln sich unzählige Anbieter. Wer Qualität sucht, sollte nicht nur auf Zertifizierungen achten

Silke Zorn

Wer sich heutzutage entschließt, eine Weiterbildung zu machen, hat die Qual der Wahl: Mehr als 30 000 private Anbietern bevölkern mit rund 400 000 verschiedenen Produkten den deutschen Weiterbildungsmarkt. Hat man sich endlich für ein Thema entschieden, stellt sich bereits die nächste Frage: Woran erkennt man, welcher der verheißungsvoll angepriesenen Lehrgänge auch wirklich hält, was er verspricht? Bei der Suche nach Qualität können Zertifikate und Gütesiegel helfen, aber auch ein geschulter Blick dafür, was eine gute Weiterbildung eigentlich ausmacht.

Wer seinen Lehrgang von der Bundesagentur für Arbeit finanziert bekommt, kann zumindest sicher sein, dass Anbieter und Maßnahme zuvor genau unter die Lupe genommen wurden. Seit Sommer 2004 muss sich jeder Weiterbildungsträger, der von der Arbeitsagentur gefördert werden will, der Prüfung durch eine so genannte fachkundige Stelle unterziehen; zuvor hatte diese Aufgabe die Agentur selbst übernommen. Dabei werden sowohl der Anbieter selbst, als auch sein Kursprogramm nach genau festgelegten Kriterien begutachtet.

Kursinhalte müssen nicht nur fachlich korrekt, sondern auch am Bedarf des Arbeitsmarktes orientiert sein. Teilnahmebedingungen, Kosten und Dauer der Lehrgänge müssen angemessen sein. Und außerdem muss jede Maßnahme mit einem aussagekräftigen Zeugnis abschließen. Der Anbieter selbst wird von der Zertifizierungstelle zum einen auf seine wirtschaftliche Seriosität und seine finanzielle Leistungsfähigkeit hin überprüft. Er muss aber auch gezielt darum bemüht sein, die Kursteilnehmer nach Beendigung der Weiterbildung, wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern.

Und auch auf die fachliche Qualifikation der Lehrkräfte achten die Bildungsprüfer. Der komplette Anforderungskatalog ist noch erheblich länger. Nachlesen kann man ihn in der Anerkennung- und Zulassungsverordnung Weiterbildung (AZEV), die zum Beispiel auf den Internetseiten der Kompetenzstelle für Qualitätssicherung in der Weiterbildung (KOS) zu finden ist (siehe Kasten).

Weiteres wichtiges Zulassungskriterium der Arbeitsagentur: Geförderte Bildungsträger müssen über ein Qualitätssicherungssystem verfügen. Mit anderen Worten: Sie müssen sich selbst regelmäßigen Qualitätskontrollen unterziehen, und zwar mit Hilfe eines standardisierten und allgemein anerkannten Verfahrens. „Das nützt sowohl dem Anbieter selbst, der auf diese Weise gezielt sein Angebot verbessern kann, als auch dem Verbraucher“, sagt Frank Schröder von der Kompetenzstelle KOS. Der Experte sieht außerdem einen eindeutigen Trend hin zur eigenverantwortlichen Qualitätssicherung: „Ob staatlich gefördert oder nicht – um derartige Verfahren wird in Zukunft kaum ein Weiterbildungsträger herumkommen, wenn er sich auf dem Markt behaupten will.“

Gesetzlich vorgeschriebene Überprüfungen und Qualitätskontrollen in Eigenregie, allein darauf will sich die Stiftung Warentest nicht verlassen. Seit 2002 führt die Verbraucherorganisation im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung jährlich rund 20 Tests im Bereich der beruflichen Weiterbildung durch. Dabei nehmen die anonymen Tester ganz unterschiedliche Angebote ins Visier – von der Fortbildung zum Kraftfahrzeug-Servicetechniker bis hin zum Schnellkurs im Projektmanagement. Auch Online-Lehrgänge, Lernsoftware und Weiterbildungsliteratur werden getestet.

„Wichtig sind uns vor allem Inhalt und Didaktik“, sagt Walther Kösters, Leiter der Abteilung Weiterbildungstests, „Sind die Kurse fachlich richtig? Stimmt die Didaktik? Sind die Dozenten qualifiziert?“ Ebenfalls im Fokus der Test-Profis: Beratung und Information im Vorfeld der Maßnahme und die Vertragsgestaltung.

Eines kann die Stiftung Warentest allerdings nicht leisten, räumt Kösters ein: überprüfen, wie viele Teilnehmer aufgrund der Weiterbildung tatsächlich ihre berufliche Situation verbessern können. „Das übersteigt unsere Kapazitäten. Außerdem kennen wir Namen und Adressen sämtlicher Kursteilnehmer in der Regel nicht.“ Ein weiteres Problem: Es ist kaum abzuschätzen, ob eine berufliche Veränderung einzig und allein auf die absolvierte Weiterbildung zurückzuführen ist. Hier spielten einfach zu viele Faktoren eine Rolle, meint Kösters, angefangen von der Arbeitsmarktlage bis hin zur privaten Situation der jeweiligen Kursteilnehmer. Mit ihren Tests wollen die Verbraucherschützer vor allem eines erreichen – Bildungsinteressierten Kriterien aufzeigen, anhand derer sie selbst die für sie in Frage kommenden Angebote bewerten können. „Hilfe zur Selbsthilfe“ nennt das Abteilungsleiter Walther Kösters. Wer seine Weiterbildung online oder per Fernkurs absolviert, kann sich zumindest sicher sein, dass die Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) den Kurs geprüft hat. Bereits seit Ende der Siebziger Jahre unterliegen alle Fernlehrgänge einer Zulassungspflicht. Die zu erfüllenden Anforderungen an Inhalt, Didaktik und Vertragsgestaltung bestimmt das Fernunterrichtsschutzgesetz. Sie ähneln den Prüfungskriterien der Bundesagentur für Arbeit.

Besonderes Augenmerk wird jedoch auf Betreuung und regelmäßige Lernkontrollen gelegt. Denn immerhin erfordert das Lernen am heimischen Schreibtisch ein ganz besonderes Maß an Selbstdisziplin und die Gefahr, den Anschluss oder die Lust zu verlieren, ist erheblich größer als bei herkömmlichem Präsenzunterricht. Zugelassene Lehrgänge erkennt man am Zulassungssiegel der ZFU mit Zulassungsnummer, das im Informationsmaterial des Anbieters geführt werden muss.

Wer es sich trotzdem nicht alleine zutraut, auf die Suche nach der perfekten Weiterbildung zu gehen, findet im Berliner Raum professionelle Unterstützung durch so genannte Lernläden. Das vom Bundesbildungsministerium geförderte Lernnetz Berlin-Brandenburg betreibt sie in Pankow, Neukölln und Königs Wusterhausen. Hier können sich Weiterbildungsinteressenten kostenlos beraten lassen und gemeinsam mit geschulten Mitarbeitern Angebote sondieren, Vor- und Nachteile vergleichen und Kriterien für gute Qualität erarbeiten.

Projektleiterin Gabriele Fellermayer empfiehlt außerdem jedem Ratsuchenden, sich selbst ein Bild von den in Frage kommenden Anbietern zu machen. Ihr wichtigster Tipp: Kurse besuchen und ausführlich mit Dozenten und Teilnehmern sprechen. „Bei der Auswahl guter Angebote können wir zwar helfen“, sagt die Expertin, „die Verantwortung für die eigene berufliche Zukunft muss aber letztlich jeder selbst tragen“.

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