LESEREVUEHommage an Thomas Brasch : Wanderer im fremden Land

Sophie Scheuninger

„In den gemeinsamen Gesprächen“, so schrieb der Theaterregisseur Christof Nel nach dem frühen Tod des Dichters, Dramatikers und Filmemachers Thomas Brasch im „Tagesspiegel“, da „interessierte ihn der Lauf von Menschen-Leben. Entwurzelung, Anpassung, Assimilation, Widerstand, Umsichschlagen, Selbstgefährdung, Anarchie. Obrigkeit und Gehorsam. Deutsche Introjekte. Preußen. In der Figur des Rotter: private Anarchie. Aber Anarchie. Für mich war seine Kultur die (jüdische) Kultur der Emigration. Er war kein Besitzer. Er war ein Wanderer. Ein Fremder in fremdem Land.“

In den gut zehn Jahren, in denen Brasch nun tot ist – er starb 2001 im Alter von 56 Jahren – hat das Interesse an ihm und seinem Werk nicht nachgelassen. Im Gegenteil: Man hat ihn aufgeführt, seine Bücher neu verlegt, sein Freund Christoph Rüter hat sogar einen Dokumentarfilm über ihn zusammengepuzzelt. Und in diesem Frühjahr erscheinen bei Suhrkamp, neu ediert, seine „Gesammelten Gedichte“ Nun eröffnet der Club der polnischen Versager das literarische Jahr mit einer Revue zu Braschs Ehren unter dem Motto „Die Liebe und ihr Gegenteil“. Weggefährten und Nachgeborene aus Literatur, Film, Wissenschaft und Performance- Kunst treten auf, um Thomas Braschs Werk im 21. Jahrhundert begehbar zu machen. Mit Lesungen, Film- und Musikcollagen und Gesprächen sind beteiligt Esther Dischereit, Hartmut Fischer, Uwe Kolbe, Jens Ponath, Christoph Rüter, Michael Wildenhain und Thomas Wild. Die Moderation des Abends übernimmt Insa Wilke, die einen biografisch-poetologischen Essay über Brasch veröffentlicht hat. Sophie Scheuninger

Club der Polnischen Versager, Fr 4.1,20 Uhr

7 €, erm. 5 €

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