LESUNG Eugen Ruge : Im Rampenlicht

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Als Eugen Ruge im September dem Tagesspiegel ein Interview gab, sprach er davon, „im Moment ein ausgesprochenes Bedürfnis nach Rückzug und Geheimhaltung“ zu empfinden. Ruge war mit seinem DDR-Familienroman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ gerade für die Shortlist des Deutschen Buchpreises nominiert worden und ahnte nicht, dass es mit „Rückzug und Geheimhaltung“ nach der Preisverleihung erst recht nichts werden würde. Er gewann nämlich selbst – und dann ging der Trubel erst richtig los. Nicht nur auf der Frankfurter Buchmesse, sondern auch danach: Sein Roman erklomm die Spitze der Bestsellerlisten und verkaufte sich bis heute an die 300 000 mal.

Ein schöner Erfolg, für den 57-jährigen Autor, und auch für die anspruchsvolle deutschsprachige Literatur, die selten ein Buch so lange in den Bestsellerlisten hat. Das liegt am Sujet des Romans – eine besondere, sich über 50 Jahre erstreckende Familiengeschichte aus der DDR –, aber auch daran, dass Ruge sie klug und realistisch erzählt, auf Details und Feinheiten achtend und sich viele fiktionale Freiheiten nehmend. Er hat eine Sprache – und er hat für die Aufbereitung seines Stoffs eine gute, künstlerische Lösung parat, in dem er die Perspektive vieler Figuren wählt und sich auf mehrere Zeitebenen begibt. Mit der Ruhe wird es auch in den kommenden Wochen kaum was werden. Ruge hat gerade die Erinnerungen seines 2006 verstorbenen Vaters Wolfgang an dessen Jahre in Stalins Sowjetunion neu überarbeitet und herausgegeben. Die erscheinen nun unter dem Titel „Gelobtes Land“ ebenfalls bei Rowohlt. Eugen Ruge dürfte einmal mehr ein gefragter Mann sein. Gerrit Bartels

Literaturforum im Brecht-Haus, Do 12.1,

20 Uhr, 5 €/3 €

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