LESUNG Jürgen Teipel „Ich weiß nicht“ : Ohs für die Ewigkeit

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Eigentlich müsste Jürgen Teipel den Verlagsleuten, die die Klappentextprosa für seinen Roman „Ich weiß nicht“ verfasst haben, den Hintern versohlen. Oder ihnen irgendeine Droge ins Getränk träufeln: „Jürgen Teipels Sprache wirkt wie langen Afterhours abgelauscht und erzeugt dabei Sätze für die Ewigkeit“. Schlimmer geht’s nimmer. Schon gar nicht, weil in diesem Roman viele Sätze im Plusquamperfekt stehen und immer alles nur „sozusagen“ ist. Oder „oh“: „Die Fahrt nach Acapulco war dann so richtig: Oh!“

So also klingt für den Dumont-Verlag in Köln Sprache für die Ewigkeit: „Oh!“ Doch Teipels schlanker Roman ist kein schlechter. Denn es gelingt ihm, einen eigenen Sprachsound zu erzeugen, der sich gut mit durchfeierten Nächten deckt. Das ist erstaunlich, denn der 1961 geborene Jürgen Teipel ist ein Kind des Punk, was er mit seinem Doku-Roman „Verschwende Deine Jugend“ ja dokumentiert hat. Jetzt also Techno. Eine ravende Society in Mexico, tagsüber auf Diskussionsreise, nachts am DJ-Pult. Einheimische DJs und Deutsche, Tere, Tommy, Rico und der Ich-Erzähler – das Goethe-Institut macht’s möglich. Von Mexico City über Monterrey nach Acapulco geht es, und je weniger unterwegs passiert, desto mehr versucht Teipels Erzähler, magische Momente zu fassen. Dafür braucht es mal Haschkekse, mal Peyote, vor allem aber die große, ravende, sich spontan findende Techno- Gemeinde. Es ist in „Ich weiß nicht“ viel vom Strahlen und Leuchten die Rede, und irgendwann färbt dieses Leuchten und Strahlen auf die Sprache des Romans ab. Eines weiß Teipel aber sicher: Pop ist nie für die Ewigkeit.Gerrit Bartels

Haus der Kulturen der Welt, Do 4.3., 20 Uhr,

Eintritt frei

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