LESUNG Jürgen Teipel „Mehr als laut“ : Damals unterm Mond

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Die Idee war gut und die Welt bereit: Als Jürgen Teipel 2001 mit „Verschwende Deine Jugend“ sein Gesprächsbuch über den deutschen Punk und New Wave der späten siebziger und frühen achtziger Jahre veröffentlichte, begründete er damit eine Szene- Erinnerungsindustrie. In eigener Sache folgten auf dieses Buch eine CD, ein Spielfilm und ein Dokumentarfilm. Und ein paar Jahre später waren schließlich auch die Techno- und Subkultur- Protagonisten der (Berliner) Nachwendezeit so weit, sich ausgiebig ihrer jungen, wilden Jahre zu erinnern: „Der Klang der Familie“ hieß zum Beispiel eins der Bücher mit zahlreichen Gesprächen über „Berlin, Techno und die Wende“ (von Sven von Thülen und Felix Denk), „Die ersten Tage von Berlin“ ein anderes (von Ulrich Gutmair).

Nachdem Jürgen Teipel sich mit dem kleinen, gar nicht mal so schlechten Techno-Roman „Ich weiß nicht“ auch als Romancier ausprobiert hatte, ist er jetzt mit „Mehr als laut“ gewissermaßen zu seinen Leisten zurückgekehrt. Er hat sich mit DJs unterhalten, mit Leuten wie Andi Teichmann, DJ Hell, Acid Maria, Marc Reeder, Lawrence, DJ Koze, Richie Hawtin, Miss Kittin oder Hans Nieswandt, über deren Werdegang von früh an, aber natürlich auch über vieles andere, was mit ihrem Beruf in Zusammenhang steht: Drogen, das viele Reisen, das Altern, Geld und Erfolg. Herausgekommen ist abermals ein aufschlussreiches Szenebuch, dem man anmerkt, dass es sich hier eine Generation gleichfalls ordentlich gegeben hat, diese aber, so formuliert es Jürgen Teipel „trotzdem noch etwas Positiveres in sich trägt als die Punks.“ Gerrit Bartels

Dussman, Mi 15.1., 19 Uhr, Eintritt frei

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