LESUNG Karen Duve und Jonathan Safran Foer : Die Besseresser

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Man kennt das ja von Schriftstellern, die nicht zuletzt aufgrund ihrer Sujets zu Popstars geworden sind, wie etwa Benjamin von Stuckrad-Barre oder Sven Regener. Ihre Lesungen finden bisweilen an Orten statt, an denen sonst die Popmusik zuhause ist: in Berlin etwa im Columbia Club, der Maria am Ufer oder im Postbahnhof. Eine Karen Duve würde man hier nicht gleich vermuten, auch nicht den New Yorker Schriftsteller Jonathan Safran Foer, selbst wenn der, allerdings nicht aufgrund seiner Roman-Sujets, auch eine Art Popstar ist.

Foer und Duve aber lesen am heutigen Donnerstag in einem Pop-Venue, und zwar weil das Thema ihrer jüngsten Bücher sowas wie der neue Pop ist: Um unseren ethisch nicht mehr vertretbaren Fleischkonsum und um Vegetarismus geht es in Foers letztes Jahr veröffentlichten Buch „Tiere essen“ genau wie in Duves jüngst erschienenem „Anständig essen“, für das Duve sich zehn Monate lang erst nur von Bio-Fleisch, dann vegetarisch und später vegan ernährt hat. Die Frage ist, ob man diese Bücher wirklich lesen muss, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Denn dass das Billigfleisch in den Supermärkten nicht von glücklichen Tieren stammt, sondern aus der industriellen Massentierhaltung, zeigt allein der Preis an, dessen ist man sich, so man drüber nachdenkt, nur zu bewusst. Man handelt nur nicht danach – und setzt sich ja auch immer noch in Flugzeuge nach Lateinamerika und stört sich nicht daran, dass die eigene Klimabilanz lebenslang nicht mehr auszugleichen ist. Insofern muss man Duve und Foer lesen. Sie sensibilisieren, vielleicht ändern sie gar das eine oder andere Essverhalten. Guter Pop hat es schließlich schon immer verstanden, Leben zu retten. Gerrit Bartels

Postbahnhof, FritzClub, Do 20.1., 20 Uhr, 10 €

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