LESUNGAnnette Pehnt „Chronik der Nähe“ : Von Tochter zu Tochter

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Foto: Peter Peitsch / peitschphoto.com

Annette Pehnt ist eine Schriftstellerin, die dahin geht, wo es weh tut in der Gesellschaft. Wo keinesfalls Glamour, Hip- oder Coolness und auch nicht Berlin regieren, sondern die soziale Realität. Ihr 2006 veröffentlichter Roman „Haus der Schildkröten“ war eine gekonnt und leise erzählte, genauso deprimierende wie würdevolle Geschichte vom Mit- und Gegeneinander der Generationen, Schauplatz des Romans war ein Seniorenwohnheim. In „Mobbing“ ging es um das Schicksal des Büroangestellten Jo Rühler, der an seinem Arbeitsplatz subtilen Schikanen ausgesetzt ist und diese Probleme auch mit nach Hause und in seine Ehe nimmt.

Und in ihrem inzwischen schon fünften, jüngst erschienen Roman „Chronik der Nähe“ erzählt Annette Pehnt abermals leise, aber dabei durchaus spektakulär vom Miteinander der Generationen: von den Beziehungen dreier Frauen zueinander, von Großmutter, Mutter und Tochter. Die Mutter liegt im Sterben und wird von ihrer Tochter Tag für Tag im Krankenhaus besucht. Die Tochter erzählt und erinnert sich, es ist ein Erzählen und Erinnern gegen den Tod, bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie, die Tochter, selbst Mutter wird. Der andere Erzählstrang schildert die Geschichte der Mutter, ihre Kriegskindheit, ihre Nachkriegsjugend, das schwierige Verhältnis zu wiederum ihrer Mutter, der Großmutter der Ich-Erzählerin. So überlagern sich in diesem Porträt die Beziehungen, so spiegeln sich die jeweiligen Mutter-Tochter-Verhältnisse – und so handelt dieser Roman auch davon, wie Gefühle und Erfahrungen von Generation zu Generation weitergegeben werden und sich trotz der Zeitsprünge mitunter gleichen. Gerrit Bartels

Literarisches Colloquium Berlin, Mi 20.6.,

20 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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