LESUNGDer Briefwechsel von Uwe Johnson und Hans Magnus Enzensberger : Brutale Verständigung

Gerrit BartelsD
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dpa

Es war ein Streit um die Sprache, um die Sprache des „Spiegels“, mit dem der Briefwechsel zwischen Uwe Johnson (Foto, rechts) und Hans Magnus Enzensberger (links) begann. Das war kurz nachdem Johnson 1959 nach West-Berlin übergesiedelt war. Gerade war sein Debütroman „Mutmaßungen über Jakob“ erschienen. Um „brutale Verständigung“ (Johnson) ging es den beiden fortan. Nichts blieben sie sich schuldig in ihren meist sehr unterschiedlichen Ansichten zur Literatur, zum Leben, zu Gesellschaft und Politik. Doch es ging auch um Vertrauen und um eine Freundschaft, in die nicht zuletzt die Ehefrauen Dagrun Enzensberger und Katharina Johnson mit einbezogen wurden; eine Freundschaft, die von Johnson mit einer für ihn typischen, fast schon pathologisch anmutenden Unbedingtheit geführt wurde.

Zu ersten wirklichen Irritationen kam es, als Enzensberger 1966 im Zuge der Auseinandersetzungen um die Notstandsgesetze auf dem Frankfurter Kongress „Notstand der Demokratie“ eine Rede hielt, in der er mit großer Geste zu Widerstandsformen wie Streik und Sabotage aufrief. Das missfiel Johnson: „Das ist Hochstapelei. Du kennst die Arbeiter nicht, die du da zum Generalstreik aufrufst, sie kennen dich nicht, und sie waren nicht einmal zugegen.“ Später kommt ein Streit um die Wohnungen von Johnson ins Spiel, und im Mai 1967 kündigt Uwe Johnson die Freundschaft, indem er Enzensberger Vertrauensbruch vorwirft und ihn als einen Menschen bezeichnet, „der uns nicht die Wahrheit sagt, der uns täuscht, der uns ausnutzt und reinlegt“.

Aus dem Briefwechsel liest Daniel Minetti. Danach spricht Jörg Magenau mit dem Herausgeber Henning Marmulla. Gerrit Bartels

Literaturforum im Brecht-Haus, Do 4.2., 20 Uhr, 5 €, em. 3 €

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