LESUNGENInternationales Literaturfestival Berlin : Von Afrika nach nirgendwo

Marita Mirkus

Mit ihrem ersten Roman „Diese Dinge geschehen nicht einfach so“ war Taiye Selasi (Foto) eines der literarischen Ereignisse des Frühjahrs. Die in London geborene, in Massachusetts aufgewachsene und in Rom lebende Tochter einer nigerianisch-schottischen Mutter und eines ghanaischen Vaters erzählt darin virtuos die Geschichte einer aus Westafrika stammenden Familie des 21. Jahrhunderts und lotet dabei – vor dem Hintergrund ihrer eigenen Begriffsprägung „Afropolitan“ – die Themen Heimat und Identität aus. Als Eröffnungsrednerin des Internationalen Literaturfestivals Berlin, das dieses Jahr bis zum 15. September dauert, beschäftigt sie sich am Hauptspielort, dem Haus der Berliner Festspiele, mit der Nichtexistenz einer afrikanischen Literatur.

Im Anschluss liest Daniel Kehlmann, moderiert von seinem Kollegen Thomas Brussig, zum ersten Mal aus seinem jüngsten Metafiktions-Kunststück, dem Roman „F“. Ein Schriftsteller, Arthur Friedland, und seine drei Söhne, die alle auf ihre je eigene Weise Heuchler, Betrüger und Fälscher sind, stehen darin im Mittelpunkt: Martin, ein katholischer Priester ohne Glauben. Eric, ein ebenso promisker wie hoch verschuldeter Investmentberater mit teuflischen Visionen. Und sein Zwillingsbruder Iwan, ein schwuler Kunsthistoriker, der zum Fälscher wird, indem er dem Künstler Heinrich Eulenböck den Pinsel aus der Hand nimmt und künftig dessen Werk gestaltet. In den Folgetagen werden prominente Autoren wie der Nobelpreisträger J. M. Coetzee und Salman Rushdie erwartet. Marita Mirkus

Haus der Berliner Festspiele, Mi 4.9., 18 und 20.30 Uhr, jeweils 12 €, erm. 8 €, Infos: www.literaturfestival.com

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