LESUNGKevin Powers : Verheerungen im Geist

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Natürlich kann man sich für einen „Glückspilz“ halten, wenn man aus einem furchtbaren Gemetzel wie dem Irak-Krieg körperlich unversehrt zurückkehrt und in einem Buch über diesen Krieg in einer Danksagung nicht alle Menschen aufzählen kann, die diesen Dank verdienen. Der amerikanische Schriftsteller und Irak-Kriegsveteran Kevin Powers bezeichnet sich am Ende seines Romans „Die Sonne war der ganze Himmel“ als einen solchen Glückspilz. Trotzdem kündet jede Zeile dieses Romans davon, dass das mit dem Glück als Kriegsheimkehrer womöglich nicht so ganz stimmt: „Du hast alle möglichen Tode miterlebt, mehr Todesarten kennengelernt, als dir lieb ist, und dieser Wahnsinn hat deinen Geist heimlich, still und leise verheert, und irgendwann wecken nur noch Tiere dein Mitgefühl, die mit Sprengstoff und Granaten vollgestopften Hundekadaver mit ihren letzten paar Eingeweiden“, lässt der aus Richmond, Virgina, stammende Powers seinen Helden John Bartle zu sich selbst sagen. Und: „Ich wusste nicht mehr, was wahr und erfunden war, wollte aber, dass es aufhörte, wollte alles abhaken, wünschte mir, dass alles wie Nebel in der Sonne verdampfte.“

Kevin Powers arbeitet in seinem beeindruckenden Roman über die US-Soldaten John Bartle und Daniel Murphy zwar mit fiktiven Elementen – doch so authentisch und überzeugend über den Krieg schreiben, diesen etwa als Produzenten „unzähliger Solipsisten“ bezeichnen, das kann nur einer, der ihn, wie Powers 2004 bis 2005, selbst erlebt hat. Sein Roman ist gleichermaßen wahr und poetisch, präzise und dann wieder ein Gefühlsdurcheinander. Am Ende aber ist er vor allem eins: ein Kriegsaustreibungsroman. Gerrit Bartels



Autorenbuchhandlung, Do 25.4., 20 Uhr, 8/6 €

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