Zeitung Heute : Letzte Chance fürs Steuersparen

Bis Jahresende lohnt sich der Abschluss einer Kapitallebensversicherung

Stefan Beck

Noch ist die Lebensversicherung mit 90 Millionen Verträgen die Lieblings-Police der Deutschen. Mit dem Alterseinkünftegesetz könnte sich das ändern, denn für Neuverträge, die ab 2005 abgeschlossen werden, entfällt das Steuerprivileg für die Kapitallebensversicherung. Doch die neuen Regeln bedeuten nicht nur Nachteile. Hinter ihnen steckt mehr als nur Zahlenakrobatik aus dem Finanzministerium. Die Idee der späteren Versteuerung im Alter findet sich im bisherigen Recht vor allem bei der betrieblichen Altersvorsorge.

Die „deferred compensation“, wie es in der Fachsprache heißt, bedeutet die Verlagerung von Einkünften aus der Gegenwart mit hohem Einkommen und entsprechend hohen Steuersätzen in die Zukunft als Rentner mit niedrigerem Einkommen und entsprechend niedrigerem Steuersatz. Attraktiv ist das nicht nur, weil Berufstätige einfach mehr in der Tasche behalten, sondern auch wegen des – zumindest rechnerischen – Zinsvorteils.

Der Gesetzgeber hat dieses Prinzip in der Vergangenheit bei den Riester-Verträgen voll umgesetzt: Der großzügigen Förderung in der Ansparphase steht die volle Steuerpflicht im Alter gegenüber. Trotz einiger Neuregelungen – bis 30 Prozent können künftig als Kapital ausgezahlt werden, und die Beantragung wird deutlich vereinfacht – sprechen andere Faktoren gegen die Riesterrente. Finanzexperten kritisieren nicht zuletzt die Unflexibilität der Verträge. Viele Kunden werden aber die langfristigen Zahlungsverpflichtungen nicht durchhalten. Außerdem beklagt selbst die Versicherungswirtschaft die geringe Rendite der Riester-Verträge. Ursache sei die Überreglementierung auf Grund der nötigen Zertifizierung, heißt es. „Riestern“ lohnt sich demnach nur durch die einkommensabhängigen staatlichen Prämien.

Bei der Neuregelung der Direktversicherung zeigt sich ebenfalls das Prinzip der „deferred compensation“ schon im Ansatz. Bei der Direktversicherung leitet der Arbeitgeber einen Teil des Gehalts direkt in eine Lebensversicherung. Die Beiträge sind zukünftig komplett steuerfrei und bis 2008 in Grenzen sogar von Sozialabgaben befreit. Der Ertrag dagegen muss bei der Auszahlung voll versteuert werden, wie bei den Neuverträgen in der Lebensversicherung. Es gilt aber auch hier die entsprechende Ausnahme: Entspricht der Vertrag den bisherigen Voraussetzungen für eine steuerfreie Auszahlung und wird dieser nicht vor Vollendung des 60. Lebensjahres ausgezahlt, dann muss der Ertrag nur zur Hälfte versteuert werden. Voraussetzungen dafür sind: Der Vertrag muss wenigstens zwölf Jahre laufen. Fünf Jahre lang wenigstens muss ein konstanter Grundbeitrag gezahlt werden – Dynamisierungen sind aber unschädlich. Und die Todesfallsumme darf nicht unter sechzig Prozent der Versicherungssumme liegen.

Wer dagegen eine Rente aus der Direktversicherung wählt, der fährt in Zukunft sogar besser. Er versteuert dann nach einer neuen, günstigeren Ertrags-Staffel. Wer aber noch im Jahr 2004 abschließt hat die Wahl: Er kann wie bis dato seine Beiträge mit zwanzig Prozent pauschal versteuern und hat dafür die Kapitalauszahlung wie bisher steuerfrei. Um sich den bisherigen Rechtsstand zu sichern – also Pauschalsteuer plus steuerfreie Kapitalauszahlung sollte man das gleich Anfang 2005 so erklären. Wer lieber die neuen Steuerregeln will – also Beiträge komplett steuerfrei, dafür später die Besteuerung des Ertrags – der kann seinen Altvertrag umstellen lassen.

Auch wer bei der klassischen privaten Kapitalversicherung noch im Jahr 2004 zugreift, sichert sich die steuerfreie Auszahlung in der Zukunft. Denn für alle Verträge, die bis Jahresende geschlossen werden, gilt weiterhin: Sind die genannten Voraussetzungen erfüllt, ist die Ausschüttung steuerfrei. Und nicht nur das. Denn die bisherige Rechtslage ermöglicht jedem Bürger grundsätzlich bis zu einer variablen Höchstgrenze den Abzug von Vorsorgeaufwendungen. Und dazu zählen eben auch die meisten Lebens- und privaten Rentenversicherungen.

Das soll für Verträge die noch bis Ende 2004 geschlossen werden auch erst einmal so bleiben: Mit einer Übergangsfrist von zehn Jahren muss das Finanzamt auf dem Wege der so genannten „Günstigerprüfung“ das alte Recht bei den Sonderausgabenabzügen gewähren. Das Finanzamt prüft also von Amts wegen die beste Berechnungsalternative.

Für Neuverträge ab 2005 aber gilt: Der Ertrag einer Kapitallebensversicherung muss grundsätzlich voll versteuert werden. Es gilt jedoch auch hier die 50 Prozent Besteuerung bei Auszahlungen ab dem 60. Lebensjahr wie bei der Direktversicherung.

Als Vorsorgeaufwendungen können Beiträge zur Kapitallebensversicherung bei Neuverträgen grundsätzlich nicht mehr geltend gemacht werden. Wer darauf Wert legt, dem bleibt vom kommenden Jahr an als einzige private Anlageform nur noch die so genannte „Rürup-Rente“, eine ganz gewöhnliche private Rentenversicherung ohne Kapitalwahlrecht. Diese Rente, das kommt neben einer ganzen Reihe von weiteren Voraussetzungen dazu, darf nicht beliehen oder vererbt werden. Sie wird im Alter genauso versteuert wie die gesetzliche Rente.

Alle Verträge zur Altervorsorge sind langfristige Verpflichtungen, die auf Dauer drücken können. Eine gute Strategie zur Risikostreuung ist die Aufteilung in viele einzelne Verträge. Jeder Vertrag kann dann für sich angepasst oder notfalls auch gekündigt werden, ohne dass es gleich zum Totalausfall kommt.

Der Autor ist Steuerberater in

Berlin-Kreuzberg

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