Zeitung Heute : Leuchtende Schatten-Kunst

Nora Sobich

Bei Licht und Lampendesign denkt man weniger an Deutschland als an Italien - an Achille Castiglioni, an Tommaso Cimini oder an Richard Sapper. Es gibt einige Ausnahmen, die zeigen, dass auch deutsche Lichtdesigner international erfolgreich sein können. Das sind vor allem natürlich Ingo Maurer, aber auch Tobias Grau, der 1984 in einem Hamburger Loft seine Firmengeschichte begann und inzwischen mit seiner exzellenten Leuchtenkollektion weltweit bekannt ist.

Seit Ende der 90er Jahre wird die Marke "Tobias Grau" auch in drei eigenen Showrooms in den Stilwerken in Hamburg, Düsseldorf und Berlin vertrieben. Dort kann man nicht nur die Wand-, Boden-, Hänge-, Tisch-, System- und Büroleuchten finden, sondern auch Möbel des 1957 geborenen Designers und Betriebswirtschaftlers Grau, der nach wie vor auch als Innenarchitekt arbeitet.

Bereits auf der Mailänder Möbelmesse 2000 vorgestellt, aber erst in diesem Jahr auf dem Markt, sind zwei neue "Tobias Grau"-Leuchten. Auf den ersten Blick wirken sie fast poppig jung und dann doch wie vieles von Grau zeitlos und zurückgenommen. Das ist einmal das Modell "Soon", eine Schreibtischleuchte, die aus einzelnen Plastikgelenken zusammengesetzt ist und sich wie eine Schlange über den Schreibtisch beugen und dann in drei Positionen einrasten lässt. "Soon", mit einem 50 Watt Reflektor ausgestattet, gibt es entweder in Transparent oder in Knallig-Orange. Interessant an dem etwas exotisch anmutenden Objekt ist, dass man es beherzt anfassen soll, fast wie ein Haustier, das dann allerdings manchmal unerwartet knarrt.

Ebenfalls sehr modern - und zwar wie ein Space-Ship - sieht das Modell "Project X" aus, eine Raumleuchte, die wie eine schneidige Scheibe im Raum hängt und mit ihrer Gestalt so wenig aneckt, dass sie ein schwereloses Gefühl von Bewegung vermittelt. Da "Project X", das aus Spritzguss-Aluminium und Kunststoff besteht, ein geschlossener Hohlkörper ist, ist es nicht ganz leicht, die Leuchtmittel zu wechseln.

Doch der gelegentliche Aufwand lohnt sich - "Project X" hat einen breiten Streuwinkel und gibt ein sehr schönes Raumlicht. Bei den Kunststoffeinsätzen des futuristischen Modells kann man zwischen vier Farben wählen: schwarz, transparent, orange oder purpur.

Die These Tobias Graus, dass die "Durchmischung von klassischem Ambiente auch mit modernen Leuchten" zunimmt und gleichzeitig "eine hohe Integrationskraft von Leuchten" verlangt wird, ist nicht nur "Soon" und "Project X", sondern seiner gesamten Kollektion anzumerken. Etwa der eierförmigen Hängeleuchte "Oh China" aus "Bone China", die mit Vorliebe in Kaffeehäusern über den Tresen gehängt wird. Ein interessantes Modell ist auch "Bill", die aus Zinkgussdruck und eloxiertem Aluminium besteht und deren tellerförmiger Schirm an den Lampen-Klassiker des Berliner Architekten Schliephacke erinnert. An der Seite hat "Bill" einen forschen Griff aus Silikon, der zwar etwas putzig absteht, aber gleichzeitig betont, dass es neben der Anmutung bei Grau auch immer um Funktionalität und Anwendung geht.

Typisch für "Tobias Grau"-Design ist vor allem die mutige Materialwahl. Einer seiner Klassiker, die skulpturale Hängeleuchte "Tai" aus Bronze, die wie ein schweres Schiff durch den Raum schwebt, wiegt stolze 18 Kilo. Oder das Modell "George", in der Gestalt eines Citroen-Scheinwerfers. Nur wenn die Leuchte angeschaltet ist, sieht man, dass ihr Korpus nicht aus dunklem Glas, sondern aus schwarz-rotem Plastik besteht. Hergestellt wird diese klassisch-moderne Lampenkollektion im neuen Grau-Firmengebäude in Hamburg-Rellingen, das 1998 fertig gestellt wurde und in seiner Architektur so ungewöhnlich einnehmend und qualitätvoll ist wie das gesamte "Tobias Grau"-Design.

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