Zeitung Heute : Lichte Gemälde

ELFI KREIS

15 Künstler aus Peking stellen in der Kulturbrauerei ausELFI KREISDie tönernen Krieger mit ihren kunstvollen Haarknoten - in den Bildern von Yuan Yaomin erfahren sie eine verblüffende Metamorphose.Vom Hals abwärts verwandelt die Künstlerin aus Peking sie in vollschlanke Bikini-Trägerinnen.Ihre in leuchtenden Komplementärfarben gemalte Serie "Terrakotta Armee neu gesehen" ist ein Blickfang innerhalb der Ausstellung in der Kulturbrauerei.Sie stellt Werke von 15 Künstlern der Ammonal Galerie in Peking vor. Der Ausstellungstitel "Poeten im Sonnenlicht" klingt optimistisch.Die Arbeitsbedingungen freier Künstler in der Volksrepublik China hingegen sind weniger glänzend.Vertreter aktueller Kunst, die sich nicht an staatliche Institutionen binden, gelten noch immer als Außenseiter.Zumal, wenn sie die Grenzen traditoneller, vom Realismus geprägter Malerei sprengen.In der Ammonal Galerie Peking finden sie einen Freiraum.Der Maler Qin Feng gründete sie 1993 in Eigeninitiative als "Galerie der freien Künstler".Es ist keine kommerzielle, sondern eine Selbsthilfegalerie.Ausschließlich durch den Verkauf eigener Bilder im Ausland hat er sie finanziert.Der Betrieb seines in China ungewöhnlichen Projekts läuft nicht immer reibungslos.Einer ersten Galeriegründung waren nur zehn Monaten beschieden.Manche Ausstellung der Ammonal Galerie, die Qin Feng heute gemeinsam mit Qin Chong betreibt, wurde schon nach zwei Wochen geschlossen.Beide Maler sind in der Galerie im Pferdestall mit eigenen Werken vertreten. Die Schau stellt ein vielseitiges Spektrum überwiegend gestisch abstrakter, oft meditativer und an der Grenze zur Figuration angesiedelter Arbeiten vor.Kritische Reflexionen der eigenen Lebenssituation von düster verschlüsselten Allegorien bis zur grellgetönten Farce sind zu entdecken.Aber auch Arbeiten wie "Das Lachen des Poeten" von Su Xiaoxiao: im Licht glänzende, verschlungene Röhrenformen in Regenbogenfarben.Leuchtend ist auch das Kolorit bei einem Gemälde Qin Pengxiaos, das an Dubuffet und Klee erinnert.Dem Titel der Gruppenschau half er auf die Sprünge.Ihn nennt man in Peking "Poet des Sonnenlichts".Die für den September vom Haus der Kulturen der Welt angekündigte Ausstellung "China - Zeitgenössische Malerei" wirft statt ihres Schattens kleine Lichtblicke voraus. Kulturbrauerei, Knaackstr.97, bis 21.September; Mittwoch bis Sonntag 12 - 21 Uhr.

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