Zeitung Heute : Lichtgestalten

Die Filmfestspiele gehen zu Ende. Was bleibt? Bilder von George Clooney, Nicolas Cage oder Nicole Kidman vor der roten Berlinale-Tapete. Die Branche nennt das „Photo Call“. Ein Tatortbericht – und sieben Aufnahmen des Fotografen Oliver Mark.

Tjorven Vahldieck

Dienstag, 13 Uhr 20 : SAT 1-Lounge, David Heerde, 23, Fotograf für die „Morgenpost“ und „Welt“, sitzt bei einem Milchkaffee am Laptop und arbeitet. Er wartet auf den „Photo Call“ gleich um die Ecke mit August Diehl für den Film „Lichter“, von Hans- Christian Schmid. Es ist sein zweiter Termin nach „Son Frère“ von Patrice Chéreau.

13:51 : Der erste Fotograf trifft an der Absperrung des Pressebereichs ein und wird von der Hostess zum „Photo Call“ durchgewinkt. Er sucht seine Nummer, um an seinem Platz die Ausrüstung aufzubauen. Bis zu 60 Fotografen passen hier rein, heute bleiben einige Plätze leer. Na ja, Ausgust Diehl ist eben noch nicht ganz George Clooney. Hong Jooson, 40, kommt aus Südkorea. Er arbeitet im Auftrag des koreanischen Kinomagazins „Cine 21“. „Am Teppich“ zu fotografieren, sei jedoch schöner als bei einem „Photo Call“. Obwohl er bedauert, dass der rote Teppich hier in Berlin wesentlich kürzer sei, als in Cannes.

14:05 : August Diehl zeigt sich kurz auf dem Weg in die Maske.

14:07 : Andrea Mühlwisch, 35, kommt. Sie fotografiert seit 14 Jahren für das österreichische „Skip Kinomagazin". Für sie ist das heute der erste Termin. Der nächste beginnt erst um 18 Uhr, das ist wenig. An anstrengenden Tagen können es bis zu zehn „Photo Calls“ sein. Dafür passiert es auch schon mal, dass ein Dustin Hoffman nach einem solchen Termin allen Fotografen die Hand gibt und sich verabschiedet. Oder, dass Milla Jovovich nur einem Kameramann schöne Augen macht und für alle anderen keine Aufmerksamkeit hat. Kleine Highlights im Fotografen-Alltag.

14:10 : Ein junger Mann, schwer bepackt, passiert den Eingang und nimmt in der ersten Reihe Platz. Michael Hanschke , 29, arbeitet für die Nachrichtenagentur „dpa“. Auch er hat heute Morgen schon auf der Konferenz für den Film „Son Frère“ fotografiert.

14:15 : Françoise Kuhn kommt. Sie arbeitet für das Archiv für Kunst und Geschichte.

14:22 : Ein großer, junger Mann mit Kopfhörern auf dem Kopf beginnt, eine Kamera aufzustellen. Felix Heibges ist offizieller Kameramann der Berlinale. Er ist der Einzige, der beim „Photo Call“ filmen darf.

14:29 : David Heerde kommt als Letzter hereingeeilt. Jetzt sind es 13 Fotografen.

14:32 : Aufruhr. Auf einmal herrscht im Raum eine neue Dynamik, es wird hektisch, Diehl und das Filmteam öffnen die Tür und treten in die Mitte des Raumes, Blitzlichtgewitter flackert durch den Raum. Dreizehn Fotografen rufen: „hierher“, „rechts“ und „alle links". Plötzlich schreit einer ganz laut: „lächelt doch mal“, und da muss August Diehl tatsächlich grinsen. Die Stimmung wird entspannter, fast ein bisschen ausgelassen.

14:35 : Frauke Greiner, Pressesprecherin der Berlinale, kommt herein. „Vielen Dank, meine Damen und Herren, es ist jetzt vorbei, es reicht.“ Das wars, nach drei Minuten.

14:36 : Diehl und das Team bedanken sich und gehen winkend den Weg zur anschließenden Pressekonferenz.

14:42 : Der Raum ist wieder leer. Tjorven Vahldieck

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