Zeitung Heute : "Lieber spenden als verschrotten"

HOLGER SCHLÖSSER

Computer in den Schulen ist ein leidiges Thema.Während Politik und Wirtschaft unisono die Wissensgesellschaft beschwören, sieht die Lage an den Schulen nach wie vor schlimm aus.Angesichts leerer Kassen ist man auch in Berlin, wo 1200 Schulen ausgestattet werden müssen, auf private Hilfe angewiesen, wie die Initiative der Investitionsbank Berlin, die am Mittwoch 270 Computer spendete.

Im Zuge der Modernisierung des Rechner-Parks sollten die 486er-PCs ausgemustert werden.Doch statt die funktionstüchtigen Geräte zu verschrotten, erinnerte man sich an die Berliner Schulen."Die Ausstattung der Schulen mit PCs ist eine wichtige Voraussetzung für die Qualität des Standorts Deutschland", so Bernd Peter Morgenroth, Mitglied des Vorstands der Landesbank Berlin bei der symbolischen Übergabe der Rechner.Das Computerangebot müsse dringend ausgeweitet werden, um allen Schülern grundlegene Kenntnisse im Umgang mit dem PC vermitteln zu können.Nur so seien sie auf dem Arbeitmarkt später auch wettbewerbsfähig.

Dabei wollte die Bank vor allem Schulen in den sozial schwächeren Bezirken unterstützen.Dabei handelt es sich um Kreuzberg, Treptow, Prenzlauer-Berg, Friedrichshain, Wedding, Schöneberg, Neukölln, Tiergarten sowie Wilmersdorf.In jedem dieser Stadtteile bekommen zwei Schulen jeweils 15 Geräte.Die Schulen wurden gemeinsam mit dem Schulämtern der Bezirke ausgesucht.

Staatssekretär an der Senatsschulverwaltung Klaus Löhe betonte bei der Übergabe, daß Initiativen, wie die der Landesbank, sehr wichtig seien."270 Computer bringen uns dem Ziel erheblich näher, die Schüler mit Rechnern auszustatten", so Löhe.Daß es sich bei den Rechnern um ältere Modelle handelt, sah er pragmatisch.486er seien besser als 386er und die imerhin noch besser als überhaupt kein Rechner."Ich kann nur an alle Unternehmen appellieren, lieber zu spenden, als zu verschrotten." Dem pflichtete auch IHK-Präsident Werner Gegenbauer bei, der bei der Gelegenheit an die Schwierigkeiten erinnerte, entsprechende Spenden von der Berliner Wirtschaft zu erhalten.Dabei verfügen viele Institution in der Stadt über noch gar keine oder nur veraltete Geräte.So war die Spende fürt die Andersen-Grundschule in Berlin-Wedding der Einstieg ins Computerzeitalter."Unsere Eltern sind nicht in der Lage, ihren Kindern Computer zu kaufen", so Schulleiter Klaus-Dieter Lambrecht.Langfristig möchte er jede Klasse seiner Schule mit Rechnern ausstatten, um in Fächern wie Deutsch oder Mathematik spezielle Fördermaßnahmen anbieten zu können.So froh die Schulen auch über die Spende sind, ein Problem bleibt noch zu lösen: die Rechner kommen ohne Monitor und Software.Hier hoffen die Schulleiter noch auf Spenden.Unabhängig von der IBB-Spende kam auch die Neuköllner Leonardo-da-Vinci-Oberschule in den Genuß von zehn Rechnern.Die DeTeWe-Tochter "DeTeWe Informationssysteme & Consulting GmbH" spendete dem Gymnasium zehn 486er-PCs mit Bildschirmen und Software.

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