Zeitung Heute : Lifestyle auf Silberscheiben

PATRICK CONLEY

Die CD-ROM-Zeitschrift Radar zwischen Komik und KommerzVON PATRICK CONLEY

"Alles so schön bunt hier", könnte als Motto über Radar stehen, einer Zeitschrift aus dem Hause I-D Media, die ausschließlich auf CD-ROM vertrieben wird.Seit einem Jahr auf dem Markt, zeigt Radar, daß CD-ROM mehr bedeutet als Kino im Briefmarkenformat plus Text.Schon der Eröffnungsbildschirm ist bunt, lebendig und trotzdem übersichtlich.Zwölf Bälle symbolisieren die unterschiedlichen Themenbereiche.Per Mausklick schlägt man die Zeitschrift an der gewünschten Stelle auf und landet zum Beispiel in der Welt des Sports.Klickt man auf den Snowboarder, der von der linken zur rechten Bildschirmseite ein Looping schlägt, kommt man eine Seite weiter.Je nachdem, wo der Cursor steht, verändert sich der Ablauf der Animation.Der Trick ist ebenso einfach wie effektiv: Nur einzelne Bildelemente werden bewegt; diese sind aber so geschickt über den Bildschirm verteilt, daß der Zuschauer den Eindruck hat, er sähe einen Musikclip auf MTV.Wildes Design und passend arrangierte Musiktitel sorgen mit dafür, den Unterschied zwischen Fernsehen und interaktiver Zeitschrift zu verwischen.Der Inhalt von Radar entspricht dem zahlloser Trendzeitschriften: Eine Prise Lifestyle, angereichert mit Design, Erotik, Musik, Sport und Astrologie.Einen Mausklick weiter wartet eine Sammlung von Sounds und Bildern, die sich der zum "User" mutierte Leser nach eigenem Gusto zusammenstellen kann. Ein Mausklick zuviel und auf dem Monitor leuchtet eine Übersicht über die gängigen Drucker einer bekannten Böblinger Firma auf.Oben rechts auf dem Bildschirm steht unscheinbar das Wort "Werbung".Andere Anbieter sind mit interaktiven Spielen vertreten.Um so avancierter die Technik, um so mehr verschwindet die Grenze zwischen redaktionellem Beitrag und Werbung.Nicht umsonst kommt Radar-Herausgeber I-D Media aus der Werbebranche.Die Firma selbst bezeichnet sich als "Kreativ-Werkstatt".Das klingt weniger nach Geld und Käuflichkeit und ist im Fall von I-D Media nicht einmal ganz unberechtigt.Noch bevor die erste Nummer erschienen war, wurde das Konzept von Radar im Juni 1995 auf dem Heidelberger Multimedia-Kongreß mit dem Titel "Best of Multimedia in Germany" ausgezeichnet. Radar erscheint zweimal jährlich.Anfang November soll in einer Auflage von 20 000 Exemplaren die dritte Ausgabe ausgeliefert werden, für die Chefredakteurin Birke Zillmann ein erweitertes Navigationssystem verspricht.Wer ein Mikrophon an seinen PC angeschlossen hat, kann das Programm in Zukunft auch über Sprache steuern.Die wichtigste Neuerung aber wird sein, daß man sich von der CD-ROM-Ausgabe, ohne mühsames Eintippen von kryptischen http-Adressen, direkt ins Internet einklinken kann."Offline-Online-Kopplung" heißt im Fachjargon, was sich in der Praxis durchaus bewähren könnte.Technisch gesehen, setzt Radar sowohl als Zeitschrift wie als interaktiver Cyberspace-Guide neue Maßstäbe.

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