Zeitung Heute : "Light Client" soll den PC ablösen

PETER ZSCHUNKE (AP)

Mit Hilfe der Java-Technologie sollen Geräte wie Drucker oder Festplatten in die Lage versetzt werden, sich ohne mühsame Einrichtung von Treibern selbst beim Computer anzumelden."Man kauft ein Gerät, hängt es ins Netz, und es läuft", sagte der Cheftechnologe der kalifornischen Firma Sun Microsystems für Europa, Hellmuth Broda, jetzt auf einer zweitägigen Konferenz von Java-Entwicklern in Frankfurt am Main.Für den neuen Ansatz mit der Bezeichnung Jini (Java Intelligent Network Infrastructure) hat Sun Microsystems nach eigenen Angaben bereits die Unterstützung von Unternehmen wie die Festplattenhersteller Quantum und Seagate oder Druckerhersteller wie Canon, Epson und Oki gewonnen.Die Geräte in einem Jini-Netz melden sich mit ihren Eigenschaften beim "Lookup Service", einer Art Zentralregister, an."Der Printer sagt: Hallo, ich bin ein Farbdrucker", erklärte Broda, "wenn er benötigt wird, ist er einsatzbereit".Statt der starren Einbindung eines Gerätetreibers werde ein kleines Java-Programm dynamisch geladen.Auch die Festplatte müsse nicht mehr in den Computer eingebaut, sondern könne ins Netz eingehängt werden.Dabei ist es Jini völlig gleichgültig, unter welchem Betriebssystem ein Computer oder andere Geräte in diesem Netz laufen - die Programmiersprache Java ist plattformunabhängig.Mit Blick auf die bisherige Vorherrschaft von Windows in der PC-Welt sagte Broda: "Wenn es soweit ist, können wir unsere Betriebssysteme vergessen, weil alles mit Jini spricht."

Alles - das können nicht nur Peripheriegeräte des Computers, sondern auch andere elektronische Geräte sein, die mit der Java-Technik ausgestattet werden: Alarmsysteme, Klima-Anlagen, Auto-Elektronik oder medizinische Geräte wie ein Herzschrittmacher.Jeder Lichtschalter könnte eine eigene IP-Adresse erhalten und wäre damit ebenso über das Computernetz zu erreichen wie ein Computer mit Informationen für das World Wide Web."Ich bin gespannt, wann der erste Toaster mit Jini-Interface herauskommt", sagte Broda und fügte hinzu: "Aber er kommt." Die Software für die Jini-Vernetzung wird derzeit noch in einer Beta-Version getestet."Wir werden zu einer Situation kommen, in der Software so etwas ist wie der Strom im Netz", sagte Broda.So wie der Mainframe-Rechner vom PC abgelöst worden sei, werde der "light client" - der handliche, mobile Zugang zum Computernetz - den PC ablösen.Glasfasertechnik werde dafür sorgen, daß die nötige Bandbreite im Netz zur Verfügung stehe, wobei Übertragungsraten von mehreren Terabit pro Sekunde möglich seien.Gleichzeitig sei mit drastischen Preissenkungen im Telefonnetz zu rechnen, erklärte Broda."Dieser Unsinn, daß wir Eintrittsgeld bezahlen müssen für den Zugang zum Netz, wird verschwinden." Ein Light Client kann auch eine schlichte Plastikkarte sein, wie sie auf den Frankfurter JavaDays in Form einer SmartCard gezeigt wurde.Diese kann für unterschiedliche Einsatzzwecke als Endgerät eines Computernetzes dienen und Daten oder auch vollständige Programme herunterladen.

Die von Sun Microsystems und der Gesellschaft für Informatik ausgerichtete Tagung war Teil eines internationalen Konferenzreigens, bei dem neue Java-Anwendungen für den Einsatz im Unternehmen im Mittelpunkt stehen.

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