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Zeitung Heute : Links ist, wo das Herz schlägt: Spätestens in dritter Ehe heiraten Politiker von Bündnisgrün, SPD und PDS Journalistinnen

23.09.1999 00:00 UhrVon Tina Angerer, Joachim Huber

Wieder einmal haben sich die erste und die vierte Gewalt zusammengetan: Michael Vesper, der nordrhein-westfälische Bauminister, ehelichte die Journalistin Ferdos Forudastan. Was als Konfrontation von unabhängiger Journalistin und professionellem Polit-Strategen begann, endete distanzlos vor dem Traualtar. Damit steht der Bündnisgrüne nicht allein. Das Paar Gerhard Schröder und Doris Schröder-Köpf ist das prominenteste Beispiel für die Vebindung von Politik und Journalismus. Die klassische Variante für ehrgeizige Politiker ist zwar nach wie vor die hauptberufliche Ehefrau mit Bereitschaft zum Ehrenamt Marke Stoiber, Schäuble, Kohl.

Doch vor allem bei den Männern von SPD und Grünen stehen Journalistinnen als potenzielle Lebenspartner hoch im Kurs. Der SPD-Sozialexperte Rudolf Dreßler lebt nach zwei Scheidungen mit der RTL-Journalistin Doris Müller zusammen, Finanzminister Hans Eichel ist seit 16 Jahren mit einer Journalistin liiert (lebt allerdings getrennt) und Außenminister Joschka Fischer heiratete vor kurzem die Journalistenschülerin Nicola Leske.

"Das liegt wohl auch am Sexappeal der Macht", vermutet Tissy Bruns, Redakteurin in der Parlamentsredaktion des Tagesspiegel und Vorsitzende der Bundespressekonferenz. Sie erlebt täglich aus nächster Nähe die Selbstdarstellung der Mächtigen. Einen anderen Grund für die Partnerschaft zwischen Politikern und Journalisten in zweiter, dritter oder vierter Ehe sieht Bruns im Terminkalender der Politiker. "Viele sehen ihre Frauen zu Hause wochenlang nicht." Die Mächtigen verlieben sich in die Frauen, die sie am häufigsten treffen. "Ich spreche mit meinem Mann höchstens drei Minuten am Tag", hatte Hiltrud Schröder gejammert, als sie noch Gattin des niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder war. Vielleicht hatte sich der SPD-Mann auch schon zum Hintergrundgespräch mit der "Focus"-Journalistin Doris Köpf zurückgezogen.

Was auf Bundesebene geht, geht auch auf Senats-, Bezirks- und Bürgermeister-Ebene allemal. Jürgen Klemann, der konservative Verkehrssenator der deutschen Hauptstadt, trennte sich von seiner ersten Frau zugunsten der "Morgenpost"-Redakteurin Petra Götze. Matthias Platzeck, der geschiedene Potsdamer Bürgermeister mit Ambitionen auf die Manfred-Stolpe-Nachfolge, lebt mit ORB-Journalistin Carla Kniestedt zusammen. Der "Berliner Kurier" kennt die ganze Geschichte: "Es funkte beim Hochwasser im Sommer 1997: Matthias Platzeck war bei der Jahrhundertflut an der Oder Tag und Nacht im Einsatz. Genau wie ORB-Reporterin Carla Kniestedt. Beide wohnten im gleichen Hotel. Dem damaligen Umweltminister ging nach dem Interview auf dem Deich die rothaarige Journalistin nicht mehr aus dem Sinn - er ließ sich gern weitere 14mal vor die Kamera holen." Politik und Journalismus - das liebt sich gerne auch auf bezirklicher Ebene. Uwe Klett, PDS-Bezirksbürgermeister in Hellersdorf, gab im Mai 1998 der Journalistin Mechthild Hahne das Ja-Wort.

Bei der Wahl der Partnerin lässt sich für den männlicher Politiker kein Medium festlegen, da ist Print so recht wie Radio und Fernsehen. Eher schon bei den Ressorts taucht ein Trend auf: Die dritten und vierten Ehefrauen der Spitzen- und anderer Kräfte aus der rot-rot-grünen Ecke sind politische Journalistinnen.

Für den Politiker, der monatelang keinen freien Abend hat, stellt sich schlicht die Frage: wo eine Frau hernehmen. "Der Schröder kann ja nicht in die Disko gehen oder sich Abende lang an die Hotelbar stellen, um eine Frau kennen zu lernen", sagt der Münchner Psychologe Stephan Lermer. Trotzdem sei die Fixierung auf eine Partnerschaft für Politiker typisch. "Spitzenpolitiker sind oft einsam. In dieser Branche hat man wenig echte Freunde, dadurch wird die Frau dann umso wichtiger." Außerdem will ein Minister, ein Generalsekretär oder Kanzler, wie jeder Mann, verstanden werden. Und wessen Beruf ist das Verstehen von komplizierten Dingen? Genau, das ist die Profession von Journalisten. Ebenso verhält es sich mit dem Fragen. "Die meisten Politiker wollen nicht fragen, die wollen gefragt werden. Die brauchen das", weiß der Psychologe.

Manche sind so von der Fragerei abhängig, dass sie trotz Partnerwechsel in der Branche bleiben: Die Fernsehjournalistin Claudia Bohn verließ Joschka Fischer nach 13-jähriger Ehe, der heiratete eine Absolventin der Henri-Nannen-Journalistenschule. Kennengelernt hatten sich Fischer un syner vierte Fru in der Pressestelle der bündnisgrünen Bundestagsfraktion, als Nicola Leske ein Praktikum absolvierte.

Spitzen-Politikerinnen dagegen haben tendenziell andere Präferenzen als die Männer. Da kommen vor allem Wissenschaftler an. Die CDU-Bundestagsabgeordnete und ehemalige Parlamentspräsidentin Rita Süßmuth ist mit einem Historiker verheiratet, SPD-Familienministerin Christine Bergmann mit einem Veterinärmediziner; die sozialdemokratische Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, Heide Simonis, hat einen Professor für Umweltpolitik, Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, einen Wirtschaftswissenschaftler an der Seite. Möglicherweise handelt es sich hier um den Sexappeal des Professors, da aber die Politiker, wie oben ausgeführt, ihre Partner wegen Freizeitmangels bei der Arbeit kennenlernen müssen, fragt sich, ob sich die Frauen mehr mit Fachfragen als mit der Journaille beschäftigen. Das ist in Zeiten der "Medienkanzler" sehr nachlässig.

Langsam aber tut sich etwas. Die ehemalige FDP-Bauministerin Irmgard Adam-Schwätzer ließ sich 1991 von ihrem ersten Mann, dem Adam, scheiden, nennt sich seither nur noch Schwätzer und heiratete den Sat 1-Journalisten Udo Philipp. Und die Grünen-Sprecherin Kerstin Müller hat gleich in erster Ehe den Journalisten Klaus Schrotthofer geheiratet. Immerhin.

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