Zeitung Heute : Literatur-Enzyklopädie "Killys" auf CD-ROM

GERALD GLAUBITZ

Die neue Veröffentlichung der Berliner "Directmedia" reiht sich bruchlos in die bisher erschienen "Handbibliotheken" ein.Nach Textsammlungen und Lexika zur deutschen Literatur und Philosophie ist nun "Walther Killys Literatur Lexikon" (als Band 9) in digitalisierter Form erschienen - ein weiteres gelungenes Werk der Berliner, das diesmal in Zusammenarbeit mit dem "Bertelsmann Lexikon Verlag" entstand.

Man glaubt es kaum, doch das mit rund 27 000 Seiten sehr umfangreiche Nachschlagewerk zu deutschsprachigen Autoren und Sachbegriffen der Literaturgeschichte findet auf einer einzigen CD-ROM Platz, welche die 15 Bände der 1993 abgeschlossenen Print-Version umfaßt.Die digitale Umsetzung des Standardwerks wendet sich gleichermaßen an literaturinteressierte Laien, die ihre freizeitliche Lektüre von Belletristik durch Informationen fundieren möchten, als auch an Schüler, Studenten, Lehrer und Wissenschaftler, die sich seiner quasi von Berufs wegen als Nachschlagewerk mit hervorragenden Suchfunktionen bedienen können.Das Autorenlexikon, das neben der zielgerichteten Informationssuche auch zu literarischen Entdeckungsreisen einlädt, stellt die umfassendste Beschreibung und literaturgeschichtliche Würdigung von Leben und Werk deutschsprachiger Schriftsteller dar und reicht vom Mittelalter bis in das 20.Jahrhundert.Dabei geht es genauso um die Heroen deutscher Sprachkunst wie Goethe, Schiller und Thomas Mann wie um heute vergessene Schriftsteller oder Bestseller-Autoren der "Trivialliteratur", die häufig von der Kritik mit Argwohn betrachtet wurden, wie etwa Johannes Mario Simmel oder C.C.Bergius.

Das separate Sachlexikon komplettiert die digitale biographische Enzyklopädie und ermöglicht das schnelle und problemlose Nachschlagen von Artikeln zu grundlegenden literaturgeschichtlichen Fachbegriffen wie "Sturm und Drang" oder "Minnesang" oder "Dramentheorie" und vermittelt dabei dem Leser einen detaillierten und fundierten Überblick.Das Nachschlagewerk ist jedoch nicht nur für den Nutzer geeignet, der lexikalische Informationen sucht, sondern auch für denjenigen, der sich einfach entspannt zurücklehnen und auf unterhaltsam-belehrende Weise in der Digitalbibliothek auf Spurensuche gehen möchte.

Positiv hervorzuheben sind, wie schon bei den anderen Bänden der "Digitbib", die umfangreichen Funktionen der Textmarkierung (vier verschiedene Farben), die die Texterschließung sehr erleichtern.Ein informativ-anregender Gang durch die deutsche Literatur wird auch dadurch begünstigt, daß Notizen erstellt, Lesezeichen abgelegt und Textbelege zu Themen verknüpft werden können.

Fazit: Ohne optische und animative Spielereien konzentriert sich das digitale Lexikon auf das, was Literatur seit jeher ausmacht: auf das geschriebene Wort.Der Preis von 198 DM ist - vergleicht man es mit den 698 DM der Print-Version - relativ niedrig und den Leistungen einer bequemen und schnellen digitalen Recherche durchaus angemessen.

Systemvoraussetzungen: PC ab 486 mit CD-ROM und Windows (3.11, 95 oder NT).

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