Zeitung Heute : LITERATURVERFILMUNG

Friedliche Zeiten

Kerstin Decker

Neele Leana Vollmar hat den etwas anderen 68er-Film gedreht. Eine junge Frau aus der DDR flieht mit ihrem Mann in den Westen. Und kommt da nie an. Eigentlich hatte Irene gar nicht weggewollt, aber ihr Mann umso mehr. Nun lebt sie unter lauter Fremden, und nur manchmal, abends, wenn die Familie am Tisch sitzt und die Kette fest vor der Tür hängt, fühlt sie sich ein wenig sicher. Erst der Krieg und dann der Westen – das ist zu viel für eine allein. Dies ist natürlich eine Komödie, sie hat nur einen Fehler: Lustig ist das nicht. Traurig auch nicht. Je länger der Film dauert, desto mehr hat man das Gefühl, bloße Abbilder von etwas zu sehen, zu denen es ein Original geben muss: Es ist Birgit Vanderbekes Roman „Friedliche Zeiten“. Der gleiche Ton, der dem Buch seinen Charme gibt, macht den Film zur Kolportage. Zu nah an der Vorlage. Kerstin Decker

„Friedliche Zeiten“, D 2007,

98 Min., R: Neele Leana Vollmar, D: Katharina Schubert, Oliver Stokowsk, Axel Prahl

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