LITERATURVERFILMUNG„Tage am Strand“ : Zu schön, um wahr zu sein

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Foto: Concorde
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Eine Badeinsel im grünblauen Meer unter strahlender Sonne, zwei Mädchen, ein australischer Traumstrand – eine Geschichte, die so glücklich beginnt, kann natürlich so nicht weitergehen, sonst wäre sie kaum erzählenswert. Und deshalb werden die Mädchen, Roz und Lil, älter und sind immer noch beste Freundinnen. Und sie sind Mütter und haben Söhne, die auch schon bald erwachsen sind. Die ersten 45 Jahre der Frauenfreundschaft werden in wenigen kurzen Szenen zusammengefasst.

Bald aber verlieben sich die Söhne, ihrerseits beste Freunde, jeweils in die Mutter des anderen – oder sie bilden sich das ein. Zwei heftige Affären beginnen. Und da die Väter tot oder aus dem Weg geschafft sind, erhebt niemand Einspruch. Es ist zu schön, um wahr zu sein: „Tage am Strand“, so der ausnahmsweise treffsichere deutsche Verleihtitel, ist ein Sommerfilm par excellence, in dem Sonne, Sand und Sex wunderbar zusammenwirken und alle Protagonisten keine anderen Sorgen haben, als sich auch mal um das Essen kümmern zu müssen.

Das geht eine ganze Weile gut, besser, als man bei der Konstellation erwarten könnte. Die Regisseurin Anne Fontaine inszeniert die wasserbeperlten, muskulösen, nackten Körper der jungen Männer so, wie die viel älteren Frauen sie sehen mögen: als äußerst begehrenswert. Roz und Lil, dargestellt von Robin Wright und Naomi Watts, wirken nicht jünger, als sie sind, nämlich Mitte, Ende 40, aber sie sind schön, charismatisch und charmant. Und natürlich sind auch – abwesende Väter – ödipale Beziehungen im Spiel. Als Lils Liebhaber sich anderweitig umzusehen beginnt und Roz die Beziehung zu Lils Sohn energisch beendet, wird eine Dynamik in Gang gesetzt, die sich erst nach Jahren auswirkt.

„Tage am Strand“ basiert auf einer Romanvorlage von Doris Lessing, der kürzlich verstorbenen Nobelpreisträgerin, die sich nie als Feministin sah. Es ist aber leicht einzusehen, warum die Feministinnen der Siebziger und Achtziger ihre Literatur vereinnahmt haben: Frauen stehen im Mittelpunkt von Lessings mitunter utopischen Geschichten, die, zu harmlos oder zu dramatisch, manchmal die Grenze zum Kitsch überschreiten. Auch Anne Fontaine kann der Versuchung nicht widerstehen, alles ein bisschen zu hübsch aussehen zu lassen: die Landschaft, die Frauen, das Meer, die wellenreitenden Söhne, schließlich die beiden benachbarten Traumhäuser am Strand. Das kann man gut angucken und schnell vergessen. Luftig.Daniela Sannwald

AUS/F 2013, 112 Min., R: Anne Fontaine,

D: Naomi Watts, Robin Wright, Xavier Samuel

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