Zeitung Heute : LKW: Schonprogramm für belastete Straßen

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Unsere Straßen sind keine Bauten für die Ewigkeit. Denn der über sie rollende Verkehr sorgt für ständigen Verschleiß. Eines der Zeichen solchen Verschleißes sind die Spurrillen, die sich auf den Asphaltdecken der Straßen bilden. Und besonderen Anteil daran haben schwere Lastwagen. Denn ein 40-Tonner belastet die Asphaltdecke ebenso stark wie 300 000 Personenwagen. Ein Weg, die durch Lastwagen drohenden Schäden zu minimieren, sind neuartige Zusatzstoffe für den Asphalt der Straßendecken, die diesen härter und verschleißfester machen - wir berichteten erst jüngst darüber. Doch es gibt auch einen ganz anderen Ansatzpunkt - die Laster selbst nämlich.

Stattet man die die mit einer elektronisch geregelten Fahrwerksdämpfung aus, dann lassen sich die Straßenschäden durch die Laster um bis zu 30 Prozent verringern, berichtet der Zulieferer Mannesmann Sachs. Ermittelt wurde dieser Wert in Zusammenarbeit mir der Technischen Universität Prag, die im Auftrag der Europäischen Gemeinschaft die Zusammenhänge zwischen Straßenbelastung und der Fahrwerksdämpfung bei schweren Lastwagen wissenschaftlich untersucht hat.

Solche Systeme sind dabei alles andere als Zukunftsmusik. Denn sie sind in zahlreichen Fahrzeugen schon heute verfügbar und werden künftig in noch mehr Modellen angeboten. So kommt von Sachs das System CDC(Continuous Damping Control), das es zum Beispiel für den Mercedes Actros und vom Herbst an auch für den MAN T-GA gibt. Und in Asien sind der Hino Selega und der Isuzu Gala mit dieser Technik verfügbar.

Herzstück dieses Systems ist eine zentrale Regelelektronik. Deren Sensoren erfassen die Vertikalbewegungen der Fahrzeugachsen, den Bremsdruck, den Beladungszustand, die Fahrpedalbewegungen und die Geschwindigkeit des Fahrzeugs. Aus diesen Daten werden die Werte für die jeder Fahrsituation angepasste optimale Dämpfung errechnet und an Stoßdämpfer mit steuerbaren Ventilen weitergeleitet, die die Dämpfungscharakteristik permanent entsprechend einstellen und verändern.

Und das führt unter anderem zu einer erhebliche Schonung der Straßenoberflächen. Doch die Wirkung des Systems beschränkt sich nicht nur darauf, die Straßen weniger zu belasten. Denn zugleich schont es auch die Fahrzeuge selbst, deren Aggregate und deren Ladung und vor allem auch die Fahrzeuglenker und schließlich verbessert es die Fahrstabilität und vermindert das Unfallrisiko. Auf breiter Front eingesetzt, könnten solche Dämpfungsysteme Straßenschäden in Millionenhöhe vermeiden helfen.

Übrigens gibt es diese Technik nicht nur für konventionelle mit Stahlfedern und Stoßdämpfer ausgestattete Fahrzeuge, sondern auch für Laster mit Luftfederung. Das hier eingesetzte System PDC variiert die Dämpfkräfte analog dem Ladegewicht der Fahrzeuge, wobei das wichtigste Steuersignal der Balgdruck der Luftfederung ist.

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