Zeitung Heute : LLynch Meta Medien: E-Mail-Marketing per Newsletter

Frank Scheerer

Während die New Economy an der Börse einen Einbruch erlitten hat und um das verlorengegangene Vertrauen kämpft, geht die Entwicklung von Software für das Massengeschäft im interaktiven E-Mail Verkehr rasant weiter. Das Hamburger Unternehmen LLynch Meta Medien bezog Mitte Dezember in den Treptowers Büroräume im 26. Stockwerk. Das Unternehmen hat 36 Mitarbeiter und wird durch Risikokapitalgesellschaften finanziert. Das Berliner Büro verfügt über 11 Mitarbeiter, eine von ihnen ist Natalia Chabanovo, die mit der Softwareentwicklung beschäftigt ist.

Die Informatikerin kommt aus Russland und verdankt der Green Card und ihrem Know-how sowie ihren guten Deutschkenntnissen ihren Arbeitsplatz. Im Treptower wird die Voraussetzung dafür geschaffen, dass Call Center sich zum Multimedia Center entwickeln können. Experten gehen davon aus, dass sich die Kundenanfragen per E-Mail bis 2003 auf 18 Prozent verdreifachen werden, während die Telefonanfragen auf 74 Prozent zurückgehen. Vor dem E-Mail Kollaps sollen die dialogorientierten Softwareprodukte von LLynch bewahren. Die eingehenden E-Mails können kategorisiert, priorisiert und automatisch verteilt werden. Eine Wissensdatenbank und Dokumentvorlagen erhöhen die Qualität der Antworten im pre-sales Bereich und im after-sales service.

Die Mitarbeiter im Call Center bekommen Antwortvorschläge durch automatische Texterkennungssysteme geliefert. Die Sprachregelung wird auf diese Weise verbindlich geregelt. Für den Bestellservice werden elektronische Verbindungen mit den Warenwirtschaftssystemen geschaffen. Der Hamburger Marketingleiter von LLynch Dr. Torsten Schwarz wurde an der TU ausgebildet und gibt dem Unternehmen einen akademischen Hintergrund. Er bietet Beratungen und Inhouseseminare im E-Mail-Marketing für die Wirtschaft und Universitäten an. Für das Direktmarketing im outbound Geschäft favorisiert der Spezialist Newsletter. Über elektronische Newsletter können die Hersteller von Produkten und Anbieter von Dienstleistungen ihre Klientel gezielt informieren. Für das sogenannte Permission-Marketing müssen die Kunden ihr schriftliches Einverständnis geben, denn nach deutschem Recht darf Online-Werbung nicht unaufgefordert zugesandt werden.

"Permission Marketing macht Kunden süchtig", behauptet Dr. Schwarz. Ein Produkt seines Betriebes ist die "e-marketing Suite" . Diese Softwarelösung hat die Voraussetzungen, um mit gesammelten Kundendaten entsprechende Nutzerprofile zu erstellen und die Abnehmer des Newsletters individuell mit Angeboten zu versorgen. Eine Segmentierung kann bereits über das Kaufverhalten und die Bewegungen des Kunden auf der Benutzeroberfläche von Webpages mittels Weblinks erreicht werden. Der Vorteil für den Endverbraucher liegt auf der Hand: sein E-Mail-Postfach wird nicht mit Werbung zugeschüttet. Doch der User wird für das Unternehmen zu einem gläsernen Konsumenten. Die im Newsletter eingebauten Links führen seine Kaufwünsche vor und zeigen dem Unternehmen, wer er ist. Im Zeitalter der elektronischen Vernetzung setzt das Verhältnis zwischen Kunden und Herstellern ein besonderes Vertrauen voraus. Dieses gilt aber ebenso für die Unternehmen, denn bei der e-marketing-Suite Lösung haben die Firmen keine eigenen Datenbanken mehr. Sie verfügen über ein "virtuelles Bankschließfach". Das heißt: alle Firmendaten inklusive Adressbanken werden durch externe Server verwaltet. Die Unternehmen haben ihre Firmengewissen nicht mehr auf dem eigenen Rechner und brauchen folglich kein zusätzliches IT-Personal mehr. Automatisierte back-ups und Sicherheitslösungen, also Verschlüsselungen und Spiegelungen der Firmendaten auf anderen Servern, bieten eine Gewähr auch gegen Hacker.

Das sogenannte Application Service Providing (ASP), also die outgesourcte zentrale Bereitstellung von Software, ist für die großen Unternehmen eine Perspektive für effektive Kosteneinsparung. Massenhandling von elektronischen Kampagnen kann von wenigen IT-Leuten betreut werden. Die Unternehmen zahlen lediglich für die tatsächliche Nutzung dieser elektronischen Resourcen. Die Deutsche Telekom AG führte bereits in Pilotprojekten im vergangenen Jahr Installationen von "e-Marketing Services" durch. Die Entwicklung vom Call Center zum Multimedia Center hat begonnen und verspricht ein Wachstumspotential, von dem auch das Land Berlin und die regionalen Call Center profitieren könnten. "Ein E-Mail-Call-Center verbessert die Kundenbindung", so das Credo von Torsten Schwarz.

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