Zeitung Heute : Lob vom Microsoft-Chef

MATILDA JORDANOVA-DUDA

Tim, Milan, Andreas und Tobias haben wohl nicht mal im kühnsten Traum daran geglaubt, daß sie eines Tages Bill Gates die Hand schütteln würden.Die vier Schüler des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Mettmann (Nordrhein-Westfalen) haben jedoch den ersten Platz im "Road Ahead" Wettbewerb für ihre Internet-Seiten zum Wahlkampf gewonnen.Am 4.Februar überreichte ihnen der Microsoft-Gründer den Preis in der Gesamtschule Bonn-Beuel.

Mit zwei weiteren Gymnasien aus Bayern und Rheinland-Pfalz teilen sich die Sieger insgesamt 60 000 DM aus den Erlösen des gleichnamigen Buchs von Bill Gates.Das Programm "The Road Ahead" existiert seit mehreren Jahren und fördert Projekte im Bildungsbereich in Europa und in den USA.Der Wettbewerb sollte zur Nutzung des Internets als wichtigem Lernmedium anregen."The Road Ahead/Der Weg nach vorn" schildert Gates Vision von der Informationsgesellschaft."Zwar wird das Klassenzimmer ein Klassenzimmer bleiben", schrieb er Mitte der 90er Jahre, "doch in seinen Einzelelementen wird sich durch die Technik eine Menge ändern.Den guten Lehrer werde er nicht überflüssig machen, ganz im Gegenteil.Heute gesteht Bill Gates, daß er selbst von der raschen Entwicklung des Internets überrascht ist."Wir sind aber noch am Beginn der eigentlichen Revolution", sagt er, am deren Ende der sprechende, hörende, sehende und preiswerte Computer - kurzum der Computer für jedermann - stehen soll.

300 Schulen beteiligten sich am ersten Wettbewerb in Deutschland.Die drei Gewinner wurden von einer siebenköpfigen Jury, darunter Stefan Aust und Lothar Späth, ausgewählt.Die Jury hat sich die Web-Seiten nicht nur einmal, sondern immer wieder angeschaut, um Aktualität und Interaktivität besser beurteilen zu können.Zum Thema "Bundestagwahlen" haben sich die Schüler einiges einfallen lassen: Wahlprognosen und -analysen, Umfragen, Resumees der Parteiprogramme, Politikerportraits, Karikaturen und Links zu relevanten Quellen.Die Sache habe eine unglaubliche Eigendynamik entwickelt, gestand ein Lehrer.Bestenfalls sei er über Zwischenergebnisse informiert worden.

"Verkehrte Welt" da, wo es um PC und Internet geht: Lehrer lernen von den Schülern, Eltern von den Kindern.Dies gibt auch Bundeskanzler Gerhard Schröder für sich zu.Erst jetzt mache er seine erste Erfahrungen mit dem Informationsnetz.Damit keine weitere Generation ohne EDV-Grundkenntnisse aufwachsen müsse, stelle die Bundesregierung 160 Mio.DM zur Verfügung.Damit sollen alle 44 000 Schulen bis zum Jahr 2001 ans Netz angeschlossen werden.

Es gibt kaum eine Schule in Deutschland, die das eine oder andere Microsoft-Produkt nicht anwendet.Früh übt sich.Zur Kundenbindung stellt Microsoft den Bildungseinrichtungen Software zu günstigen Konditionen bereit und berät beim Einsatz von Netzwerk- und Internet-Produkten.Seit 1996 sponsert der Konzern die Initiative "Schulen ans Netz", an der sich gegenwärtig 10 000 Schulen beteiligen.Darüber hinaus unterstützt er diverse Länderprogramme und 1000 Partnerschulen bundesweit.In diesem Jahr sollen es noch 500 mehr werden, verspricht Richard Roy, Vorsitzender der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland.Der "Road Ahead" Wettbewerb wird ebenfalls fortgesetzt.Thema noch unbekannt.

Am selben Tag startet der Bundeselternrat eine "offene Zusammenarbeit" mit dem Softwareriesen.Damit soll den Eltern vermittelt werden, wie wichtig die regelmäßige Computeranwendung schon in der Schule ist, so die Vorsitzende Renate Hendricks.Ein bis zwei PC pro Klassenzimmer seien das Minimum.Für 1999 sind 30 Seminare geplant, an denen auch Apple und Hewlett-Packard ihre Hardware präsentieren werden.

Oft genug wird indes der kostbare einzige PC mit Internet-Zugang unter Verschluß gehalten.Wenn schon Surfen, dann nur unter Lehreraufsicht, damit die Kosten überschaubar bleiben.Ohne die berühmte "public-privat"-Partnerschaft werden die Schulen den Weg nach vorn nicht verkraften.Der Verband der mittelständischen Wirtschaft kündigte bereits an, daß er sich in die Kooperation zwischen Microsoft und dem Bundeselternrat einklinken will, indem er Patenschaften für Schulen übernimmt und ihnen Soft- und Hardware zur Verfügung stellt.Die erste Spende ging schon am 4.Februar an die Gastgeberin der Preisverleihung.Die Gesamtschule in Bonn-Beuel erhielt zwölf Schülerarbeitsplätze, einen Server und die dazugehörige Software.

Die elfjährige Tandy will unbedingt eine Frage loswerden: In welchem Alter sollen die Kinder ihren ersten PC bekommen? Bill Gates: "Es gibt gute Lernsoftware schon für sehr Kleine.Meine zweijährige Tochter - obwohl mit der Maus noch nicht sehr geschickt - spielt gern am Computer.Wenn wir am Tisch darüber sprechen, will sie nicht mehr essen und wiederholt nur: Computer, Computer..."

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