Zeitung Heute : Logenhaus-Weinmesse: Ein Triumphzug des Rieslings

Bernd Matthies

Den Titel des Platzhirschs hat man sich in der Emser Straße redlich verdient. In dieser Saison, ihrer achten, steht die große Logenhaus-Weinmesse erstmals allein in Berlin, Konkurrenz-Veranstalter haben, zumindest vorerst, resigniert. Dennoch hat sich auch das Bild dieser Messe gewandelt. Diesmal wird sie sich noch kleinteiliger präsentieren, da einige große Aussteller nicht mehr dabei sind. Größte Lücke: Die Berliner Händler des "Weinbunds Berlin" (z.B. Wein & Glas, Vinum), fehlen geschlossen; sie hatten sich in der Vergangenheit unzufrieden mit dem Andrang geäußert und wollen dem Vernehmen nach eine eigene Veranstaltung organisieren.

Dennoch ist die Logenhaus-Messe auch in diesem Jahr mit 46 Ausstellern an 82 Ständen wieder voll gebucht. Bemerkenswert wie in jedem Jahr der große Auftritt der österreichischen Weinwerbung, die im eigenen Saal eine Reihe bekannter Winzer mitbringt, und auch der Verein Mosel-Saar-Ruwer präsentiert wieder viele, zum Teil noch unbekannte Betriebe. Darüber hinaus stehen große und kleine Importeure wieder für praktisch jedes wichtige Weinanbauland der Welt.

Zum alljährlichen Ritual der Messe gehört die Vorab-Blindverkostung von Weinen, die die Aussteller nach eigenem Geschmack einreichen. Neben Roten und Weißen in zwei Preiskategorien und Schaumweinen standen diesmal auch edelsüße Abfüllungen zur Probe an. Und obwohl die Jury fast komplett neu zusammengesetzt war, kam es bei den Weißen wieder zu einem nahezu totalen Erfolg der deutschen Riesling-Weine, die nicht nur vielen Sauvignons und Chardonnays, sondern auch den österreichischen Rieslingen das Nachsehen gaben. "Die deutschen sind nun einmal am frischsten und fruchtigsten", sagte Peter Scheib, der Juryvorsitzende, hinterher, "die Österreicher haben dagegen mit ihren immer mächtigeren Rieslingen einen problematischen Kurs eingeschlagen". Am schwierigsten fiel die Wahl bei den Rotweinen unter 20 Mark, die zum großen Teil mit aufdringlichen Fruchtnoten oder massiven Tanninen enttäuschten. Bei den teuren Rotweinen kamen Bordeaux und Burgunder regelrecht unter die Räder - die Abrechnung brachte einen klaren Sieg für den renommierten kalifornischen Newton-Merlot und den neuen südafrikanischen "Zwalu", den Werner Näkel zusammen mit Neil Ellis in Stellenbosch macht.

Überraschung besonders bei der Schaumweinverkostung: Der preisgünstige Elbling-Sekt des weitgehend unbekannten Guts Frieden-Berg konnte sich mit seiner herrlich unkomplizierten, frischen, aber durchaus charaktervollen Art gegen eine ganze Phalanx von Champagnern durchsetzen, gefolgt von einem deutschen Weißburgunder-Sekt, den gleichfalls niemand an der Spitze erwartet hätte - ein ähnliches Phänomen wie beim Weißwein, meint Scheib: "Im Vergleich wirken viele Champagner oxidiert und müde."

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