• Lokführer drohen mit dem großen Streik Bundesweit sollen viele Regionalzüge nicht fahren / Auch Fernverkehr betroffen / Berlin Schwerpunkt

Zeitung Heute : Lokführer drohen mit dem großen Streik Bundesweit sollen viele Regionalzüge nicht fahren / Auch Fernverkehr betroffen / Berlin Schwerpunkt

Maren Peters

Berlin - Millionen von Bahn-Kunden müssen sich am heutigen Freitag auf erhebliche Behinderungen im Nahverkehr einstellen. Für die Zeit von 2 Uhr bis 24 Uhr hat die Lokführergewerkschaft GDL bundesweite Streiks angekündigt. „Es werden viele Züge stehen bleiben“, sagte GDL-Sprecherin Gerda Seibert am Donnerstag in Frankfurt am Main. Einer der Schwerpunkte wird Berlin sein. Da der Freitag der letzte Schultag vor den Herbstferien ist, dürfte dies in der Hauptstadt besonders problematisch werden. Die GDL erwartet, dass es durch den Streik im Nahverkehr auch im Fernverkehr zu Behinderungen kommen könnte.

Die Entscheidung zu streiken war unabhängig von dem für Donnerstag um 17 Uhr angesetzten Spitzentreffen zwischen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und dem GDL-Vorsitzenden Manfred Schell getroffen worden. „Das ist ein reines Informationsgespräch und ändert nichts an unseren Plänen“, sagte Schell. Am Vortag hatte er noch den Eindruck erzeugt, alles sei offen.

Ursprünglich hatten die Lokführer erst am Donnerstag um 18 Uhr mitteilen wollen, ob gestreikt wird oder nicht. Die Entscheidung darüber ist aber schon vorher gefallen. In einem unveröffentlichten GdL-Flugblatt, das dem Tagesspiegel vorliegt, heißt es, der Hauptvorstand habe bereits in seiner Sitzung vom 8. bis 10. Oktober beschlossen, dass die Züge am Freitag still stehen. „Um dem Arbeitgeber die Möglichkeit einzuschränken, mit Notfallplänen etc. den Arbeitskampf zu unterlaufen“, hatte die GDL den Streikaufruf aber zurückgehalten. In Bahn-Kreisen hieß es, das Vorgehen der Lokführer sei angesichts des Spitzengesprächs ein „Affront“. Mit dem Treffen, zu dem Bahn-Aufsichtsratschef Werner Müller eingeladen hatte, sollte Bewegung in die festgefahrenen Tarifverhandlungen bringen, die seit März andauern. Ergebnisse des Treffens waren bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht bekannt.

Die Lokführer fordern neben deutlich mehr Lohn einen eigenen Tarifvertrag. Die Gewerkschaften Transnet und GDBA hatten mit dem Konzern vor Wochen ein Lohnplus von 4,5 Prozent ausgehandelt, den die GDL aber nicht übernehmen will. Die Bahn ihrerseits lehnt einen eigenen Tarifvertrag für die Lokführer ab.

Bahn-Personalvorstand Karl-Friedrich Rausch machte für das „absehbare Chaos“ allein die GDL verantwortlich. Wegen der kurzfristigen Ankündigung werde es dem Konzern „sicherlich nicht gelingen“, alle Verbindungen im Nahverkehr aufrechtzuerhalten. Mit zusätzlichen Zügen im Fernverkehr und rund 100 Bussen im Nahverkehr will die Bahn auf den Streik reagieren. Auch im Fernverkehr werde es voraussichtlich nicht möglich sein, allen Reisenden einen Platz zu bieten. Das Personal zur Kundenbetreuung soll – wie bei den Streiks am vergangenen Freitag – deutlich aufgestockt werden.

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