Louis Lewandowski : Geschichte lebendig werden lassen

Er war bei Juden und Christen gleichermaßen geachtet, er verkörperte ein Stück liberales Judentum in Berlin. Louis Lewandowski hat die synagogale Musik mithilfe der Orgel revolutioniert.

Musik in der Synagoge. Louis Lewandowski hat die Orgel in die Synagogen eingeführt, wie hier in der Reformgemeinde Johannisstraße 16 in Berlin Mitte. Foto: akg images
Musik in der Synagoge. Louis Lewandowski hat die Orgel in die Synagogen eingeführt, wie hier in der Reformgemeinde Johannisstraße...Foto: Bildarchiv Pisarek / akg-images

Zufälle gibt’s: Da trifft man sich mit Nils Busch-Petersen zum Gespräch über Louis Lewandowski, und das Restaurant am Mehringdamm ist nur wenige Minuten entfernt – nein, nicht von Lewandowskis Grab auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee, aber vom Grab Felix Mendelssohn Bartholdys. Jenes Musikers also, den Lewandowski verehrt hat und dessen Familie dem jungen, aus der preußischen Provinz zugezogenen Juden das Studium an der Akademie der Künste ermöglicht hat.

Daran sieht man schon: Die Geschichte Louis Lewandowskis ist auch eine Geschichte Berlins, seines jüdischen Bürgertums und seines lebendigen jüdischen Gemeindelebens im 19. Jahrhundert. Busch-Petersen ist Geschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg und Initiator des ersten Louis-Lewandowski-Festivals. Er erklärt, was ihm Lewandowskis Musik bedeutet: „Sie berührt mich so stark, weil sie das, was Gott ausmacht, so unmittelbar ausdrückt.“

Louis Lewandowski: Der Komponist, Dirigent und Reformator der jüdischen Liturgie war bei seinem Tod 1894 weithin bekannt und geachtet – auch in christlichen Gemeinden, die seine Psalmvertonungen aufführten. Heute kennt man ihn außerhalb einiger liberaler jüdischer Gemeinden kaum noch, was natürlich mit dem Holocaust zusammenhängt, „und mit der Tatsache, dass diejenigen Juden, die überlebt haben, keinen Bezug zur synagogalen Tradition mehr hatten“, sagt Busch-Petersen.

Deshalb hat er das Festival ins Leben gerufen: Um den Namen und die Musik Lewandowskis wieder ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Und um Menschen aus aller Welt, die seine Musik lieben und sie gerne singen, zusammenzubringen – in der Stadt, in der er gelebt und gewirkt hat. Vom 15. bis zum 18. Dezember werden acht Chöre auftreten: aus Boston, Toronto, London, Straßburg, Zürich, Johannesburg und Jerusalem.

Und natürlich aus Berlin: Das Synagogal-Ensemble der Synagoge in der Pestalozzistraße wurde 1947, kurz nach dem Holocaust, von dem Kantor und Auschwitz-Überlebendem Estrongo Nachama gegründet, dem Vater des Publizisten Andreas Nachama. Bis heute ist die Charlottenburger Synagoge die einzige weltweit, in der ausschließlich Musik von Louis Lewandowski gesungen wird, aktuell unter dem Kantor Isaac Sheffer.

Nils Busch-Petersen, gebürtiger Rostocker, kennt diese Musik seit langem. 1975, mit zwölf Jahren, war er mit seinen liberalen, für alle Glaubensrichtungen offenen Eltern nach Pankow gezogen. „Ich hörte diese wunderbare Musik oft im RIAS und kaufte mir später auch Aufnahmen auf Schallplatten“, erzählt er. Die Klänge ließen ihn nicht mehr los. 2007 gehörte er zu den Mitbegründern des Fördervereins des Synagogal-Ensembles in der Pestalozzistraße, heute ist er Vorstandsmitglied.

Selbstverständlich wird dieses Ensemble auch das Louis-Lewandowski-Festival eröffnen, mit einem Auftritt am Freitag um 15 Uhr. Die frühe Uhrzeit muss sein. Schließlich beginnt gleich danach erst mal der Sabbat.

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